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Interview / Archiv | Beitrag vom 19.08.2017

Vom Aussterben bedroht"Für den Orang-Utan sieht es düster aus"

Daniel Merdes im Gespräch mit Ute Welty

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(picture alliance / dpa / Dedi Sinuhaji)
Der einjährige Amang wird von Tierschützern aus einem Privathaus in Indonesien gerettet. (picture alliance / dpa / Dedi Sinuhaji)

Mit dem Orang-Utan ist einer der nächsten Verwandten des Menschen akut vom Aussterben bedroht: Der Tierschützer Daniel Merdes erklärt, wie der Orang-Utan noch gerettet werden kann - und was jeder von uns in seinem Alltag dazu beitragen kann.

In Java ist er bereits ausgestorben, und auf Borneo und Sumatra droht ihm das gleiche Schicksal: Nach Schätzungen der Weltnaturschutzunion IUCN gibt es noch rund 104 000 Orang-Utans auf Borneo und rund 14 600 auf Sumatra. Der WWF schätzt die Zahl auf Borneo mit rund 54 000 Exemplaren inzwischen deutlich geringer ein.

Momentan sehe es für den Orang-Utan düster aus, so Daniel Merdes, Geschäftsführer von "Borneo Orangutan Survival Deutschland" (BOS) im Deutschlandfunk Kultur. Bedroht sei der Orang-Utan vor allem durch großflächige Palmölplantagen, wegen derer der Regenwald gerodet werde. Aber auch durch Wilderei und illegalen Wildtierhandel: "Wir hatten die letzten Jahre mehrere Orang-Utang-Babys befreien können, die sind in Dubai und Kuwait gelandet." In den entsprechenden Emiraten und Ländern gebe es potente Käufer. "Und wo es eine Nachfrage gibt, gibt es in der Regel auch den Markt."

Auf palmölhaltige Produkte verzichten

BOS habe das Ziel, wieder eine stabile Orang-Utan-Population aufzubauen. Dazu unterhalte der Verein Rettungsstationen und und betreibe Aufforstungsprojekte. "Wir nehmen Orang-Utans auf, die uns von Behörden oder von der Bevölkerung gebracht werden. Es sind in der Regel Babys, deren Mütter getötet wurden. Wir betreiben aber auch große Aufforstungsprojekte, um zukünftigen Orang-Utan-Wald auch wieder zu schaffen. Die jetzigen Waldbestände geben gar nicht mehr die Möglichkeit her, neue, große Populationen zu schaffen."

Ein Mensch und ein Orang-Utan Hand in Hand (dpa / picture alliance / MCT_/Landov / Tom Knudson)Etwa 97 Prozent DNA und zahlreiche ähnliche Verhaltensweisen teilen Mensch und Orang-Utan (dpa / picture alliance / MCT_/Landov / Tom Knudson)

Gartenmöbel aus Tropenhölzern schaden dem Orang-Utan

Zur Rettung des Orang-Utans könne aber auch jeder in Deutschland beitragen - durch ganz konkrete Verhaltensänderungen im Alltag. Zum Beispiel durch den Verzicht auf palmölhaltige Produkte. Außerdem: "Bitte Recyclingpapier benutzen, bitte kein Tropenholz benutzen", appelliert Merdes."Diese unsäglichen Tropenholz-Billig-Sitzecken da bei entsprechenden Discountern, die da jedes Jahr wieder für den Garten angeboten werden und so ziemlich genau eine Saison halten. Das sollte man doch besser unterlassen und auf wertige heimische Hölzer setzen."

(uko)

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