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Das Blaue Sofa | Beitrag vom 16.10.2020

Volker Weidermann: "Brennendes Licht"Die bewegende Fluchtgeschichte der Anna Seghers

Moderation: Ariane Binder

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Volker Weidemann lehnt sich entspannt über ein rotes Geländer. (laif/Opale/Leemage/ Basso Cannarsa)
Volker Weidermann, geboren 1969, ist Autor und Literaturkritiker für den "Spiegel". (laif/Opale/Leemage/ Basso Cannarsa)

In Mexiko-Stadt treffen sich Anfang der 40er-Jahre viele Exilanten aus aller Welt. Auch der Schriftstellerin Anna Seghers gelingt die Flucht dorthin. Es werden entscheidende Jahre für sie, von denen Volker Weidermanns Buch "Brennendes Licht" erzählt.

1941 gelingt der Schriftstellerin Anna Seghers die Flucht aus Deutschland. Mexiko nimmt die Schriftstellerin und ihre Familie auf: Zwei halbwüchsige Kinder und ein "Mann, der in lebenspraktischen Dingen nicht so bewandert ist", sagt der Autor Volker Weidermann.

So wird Anna Seghers nicht nur zur "Rundum-Managerin des Lebens" ihrer Familie, nebenbei schreibt sie noch Romane. "Und zwar wahnsinnig umwerfende Romane, die dann nach kurzer Zeit richtige Welterfolge wurden", so der Autor. Etwa Seghers' wohl berühmtestes Buch "Das siebte Kreuz", das die Geschichte einer Flucht von sieben Häftlingen aus einem Konzentrationslager erzählt und das sie in den USA schlagartig berühmt machte.

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Sechs Jahre bleibt Anna Seghers in Mexiko – es werden entscheidende Jahre. Von ihnen erzählt Weidermanns Buch "Brennendes Licht". In Mexiko-Stadt treffen sich damals mexikanische Künstler und Intellektuelle mit Exilanten aus aller Welt: Diego Rivera etwa, Frida Kahlo und Pablo Neruda, viele deutsche Juden und Exilkommunisten wie Anna Seghers.

"Die Situation dieser Emigranten in Mexiko war wirklich von einer permanenten Lebensgefahr geprägt", sagt Weidermann. "Einerseits hatte man den Krieg und Europa hinter sich gelassen, die Flucht war irgendwie geglückt und trotzdem, auch für die Kommunisten: Stalins Arm reichte weit, Trotzki war kurz vorher ermordet worden, in Mexiko."

Ins Leben zurückerzählt

Auch ist unklar, ob der schwere Verkehrsunfall, den Anna Seghers im Juni 1943 mit knapper Not überlebt, nicht in Wahrheit ein Attentat war. Die Verletzungen, die sie dabei davontrug, waren so schwer, dass Anna Seghers ihr Gedächtnis verlor und sich langsam wieder ins Leben zurückerzählen musste, wie Weidermann sagt. Dabei sei ein so "fantastischer" Text entstanden, wie "Ausflug der toten Mädchen". Darin frage sich Seghers, wie wir geworden seien, was wir sind. "Und hätte ich vielleicht auch auf die andere Seite der Geschichte geraten können?"

Während Anna Seghers davor in manchen Fragen etwas ideologisch gewesen sei, sei sie durch die Erfahrung dieses Unfalls und der anschließenden Rekonvaleszenz ein offenerer Mensch geworden, sagt Weidermann.

(uko)

Volker Weidermann: "Brennendes Licht. Anna Seghers in Mexiko"
Aufbau Verlag, Berlin 2020
186 Seiten, 18,00 Euro

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