Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Montag, 20.01.2020
 
Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Interview | Beitrag vom 25.11.2019

Volker Quaschning zur lahmenden Energiewende"Das ist fast eine Konterrevolution"

Volker Quaschning im Gespräch mit Liane von Billerbeck

Beitrag hören Podcast abonnieren
Windräder stehen im dichten Nebel auf einer Wiese in Brandenburg.  (imago/photothek)
Trübe Aussichten: Durch Mindestabstände zu Siedlungen, viel Bürokratie und wenig Bürgerbeteiligung gehe der Ausbau der Windenergie kaum voran, meint Volker Quaschning. (imago/photothek)

Acht Jahre nach dem Atomausstieg stellt der Ökoenergie-Forscher Volker Quaschning der Bundesregierung ein blamables Zeugnis aus: Sie treibe die Energiewende viel zu langsam voran, habe kein Konzept - und mache manche Fehler ganz bewusst.

Der Anfang: vielversprechend. Die Umsetzung: ungenügend. So lässt sich das Urteil des Wissenschaftlers Volker Quaschning zur deutschen Klimapolitik zusammenfassen. Zunächst sei es Deutschland gelungen, durch die Förderung von Solar- und Windenergie diese weltweit zu konkurrenzfähigen Preisen herzustellen: "Das ist ein Riesenerfolg, der auch durch Deutschland angestoßen wurde", so der Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Aber das sei es auch schon gewesen:

"Das heißt, wir haben die erneuerbaren Energien preiswert gemacht, aber wir weigern uns jetzt in Deutschland, den Ausbau der Energiewende in dem Tempo zu machen, das wir für den Klimaschutz brauchen. Es steckt überall fest, es gibt überhaupt kein Konzept und wir werden sämtliche Klimaschutzziele, die wir uns irgendwie gesetzt haben, mit der aktuellen Politik momentan reißen."

Abstandsregeln bremsen Windkraft aus

Statt den Ausbau erneuerbarer Energien radikal zu beschleunigen, plane die Bundesregierung beispielsweise, über Abstandsregeln die Entwicklung der Windenergie noch weiter auszubremsen: "Das ist alles andere als eine Revolution. Das ist fast eine Konterrevolution, die da gerade stattfindet", meint Quaschning.

So baue Bayern durch den festgelegten großen Abstand zu Siedlungen quasi keine Windräder mehr. Überall würden Flächen ausgeschlossen, es gebe zudem zu lange Genehmigungsverfahren - und die Bürger würden zu wenig beteiligt.

"Ich glaube, viele Fehler davon sind auch bewusst gemacht worden", so Quaschning weiter. Denn Ziel der Bundesregierung sei es vor zwei Jahren gewesen, die Windenergie zu halbieren: "Das hat man klar ausgesprochen - und nun ist man einfach nur ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen."

Am Montag und Dienstag befasst sich eine Konferenz in Berlin mit der Energiewende. 

(bth)  

Mehr zum Thema

Mecklenburg-Vorpommern - Gemeinden protestieren gegen Windkraft
(Deutschlandfunk Kultur, Länderreport, 11.09.2019)

Krisengipfel zur Windkraft - Flaute bei der Energiewende
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 05.09.2019)

Wut auf die Energiewende - Warum in der Windkraftbranche Flaute herrscht
(Deutschlandfunk Kultur, Länderreport, 12.11.2019)

Interview

Libyen-Konferenz Erwartungen an ein starkes Signal
Absperrgitter stehen am Brandenburger Tor in Berlin. Hier werden bereits Sicherheitsvorkehrungen für die Libyen-Konferenz getroffen. (picture-alliance/dpa/Annette Riedl)

Bei der Libyen-Konferenz gehe es darum, den Konflikt nicht weiter eskalieren zu lassen, sagt der Journalist Mirco Keilberth, der aus Tripolis berichtet. Allerdings müsse man dafür erst einen Staat gründen und mit lokalen Strukturen zusammenarbeiten. Mehr

Anti-Rassismus-Klausel Erste Verträge an Theatern
Auf dem Foto sieht man einen Scheinwerfer, auf einen roten Theater-Vorhang gerichtet. (picture alliance / Tetra Images)

Vor einem Jahr wurde eine Anti-Rassismus-Klausel entworfen, die Theater in ihre Verträge aufnehmen können, um ihre Mitarbeiter vor Rassismus besser zu schützen. Erste Häuser übernehmen die Klausel jetzt, sagt die Juristin Sonja Laaser. Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur