Zum Tod von Volker Lechtenbrink

Er hat deutsche Geschichte gespiegelt

06:28 Minuten
Ein Mann mit Bart und Hosenträgern steht auf einer Bühne. Es ist Volker Lechtenbrink.
Volker Lechtenbrink während einer Probe auf der Bühne des St. Pauli Theaters in Hamburg. © picture alliance / Georg Wendt
Stefan Keim im Gespräch mit Sigrid Brinkmann · 23.11.2021
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Volker Lechtenbrinks Rollen haben gezeigt, was in Deutschland los war. Ob als halbwüchsiger Soldat oder als rockiger Schlagersänger, Lechtenbrink war stets voll da. Und hat dabei Rosamunde Pilcher genau so ernst genommen wie Shakespeare.
Es ging los, da war er gerade 14 Jahre alt. Volker Lechtenbrink wurde 1959 durch den Antikriegsfilm "Die Brücke" bekannt.
"Er hat in seinen Rollen deutsche Geschichte gespiegelt", sagt der Theaterkritiker Stefan Keim. Und schon mit seinem ersten Auftritt fasziniert.

Unvergessliches Gesicht

Lechtenbrink spielt einen Halbwüchsigen, der in den letzten Kriegstagen des II. Weltkriegs in einen sinnlosen Einsatz geschickt wird. "Dieses Grauen, das sich in dieses junge Gesicht eingegraben hat, das vergisst man nicht", sagt Keim.

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Das war es dann aber auch schon mit dem Kino. Fernsehen, Theater und Musik bestimmen Lechtenbrinks weiteren Weg. "Ein großer Verlust für den deutschen Film", so Keim.

Pilcher so ernst genommen wie Shakespeare

In welchem Medium Lechtenbrink sich auch bewegte, er war mit ganzem Einsatz dabei. "Er hat jede Rolle, und wenn das Rosamunde Pilcher war, genauso ernst genommen wie Shakespeare", sagt Keim.
In der Musik mochte Lechtenbrink es gerne etwas leichter, er war in den 1970er- und 80er-Jahren Dauergast in der ZDF-Hitparade: "Er war gerne populär", sagt Keim. Dabei sei er ein kantiger Schlagerstar gewesen: "Einer, der auch rockig war."

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Und so war bei Volker Lechtenbrink oft der Zeitgeist zu spüren. "Er hat dieses leicht Rebellische hineingebracht", sagt Keim.

Bis an die Grenzen

Und hat dabei auch immer sein eigenes Sein thematisiert: "Er gehört zu einer Generation, die sich auch körperlich gefordert hat, bis an die Grenzen. Die Drogen ausprobiert hat. All das hat er niemals verschwiegen", sagt Keim.
Aber Lechtenbrink ist nicht hängen geblieben, er hat immer wieder zurück in die Spur gefunden: "Er hat immer darauf geachtet, dass er im Beruf funktionierte", sagt Keim. Das habe ihn ausgemacht:
"Diese riesige Vitalität, eine wahnsinnige Lebenslust, die jede Tendenz in die Nähe der Selbstzerstörung dann doch wieder pulverisiert hat."
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