Vivien Goldman über "Die Rache der She-Punks"

Punk als Empowerment für Frauen

13:01 Minuten
Ein Mitglied der russischen Punkrock-Band Pussy Riot posiert bei einem Benefiz-Konzert gegen häusliche Gewalt mit einem T-Shirt mit dem Ausdruck "Everyone can be Pussy Riot"
Auch die russische Punkrock-Band "Pussy Riot" setzt sich wie Vivien Goldman für Gleichberechtigung und eine gerechtere Welt ein. © picture alliance / dpa
Vivien Goldman im Gespräch mit Andreas Müller · 30.11.2021
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Vivien Goldman gilt als Post-Punk-Pionierin. Noch immer gebe es zu wenig Frauen-Bands, die Punk-Geschichtsschreibung sei überwiegend männlich, sagt sie. In ihrem Buch "Die Rache der She-Punks" lässt sie Musikerinnen aus der ganzen Welt zu Wort kommen.
Schon seit den 80er-Jahren setzt sich die Britin Vivien Goldman für eine gerechtere Welt ein. Sie gründete die Band "The Flying Lizards", schrieb eine Biografie über Bob Marley und Songtexte für "Massive Attack". Mit ihrem neuen Album "Next is now" meldet sie sich wieder als Musikerin zu Wort und beschreibt in ihrem Buch "Die Rache der She-Punks" die Rolle weiblicher Punkbands.

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Weil die Geschichtsschreibung von Punk eine überwiegend männliche sei, sei ihr Buch überfällig. Noch immer hätten Frauen nicht die gleichen Chancen und verdienten weniger, sagt Vivien Goldman.

Frauen sind in der Kunstszene in der Minderheit

„Wenn Sie sich die Kunstwelt ansehen, dann wird klar, dass erst heute Frauen in der visuellen Kunst ihren Platz finden. Davor wurde ihre Kunst zur Seite geschoben, klein gemacht. Es wurde Frauen sehr schwer gemacht, eine Karriere zu verfolgen.“ Als sie „Die Rache der She-Punks“ geschrieben habe, sei ihr bewusstgeworden, wie Frauen systematisch vom Erfolg in der Kunst ausgeschlossen werden.
Es gebe natürlich Ausnahmen, etwa Beyoncé – aber allein der Fakt, dass man nur auf wenige Frauen verweisen könne, passe mit deren Anteil in der Bevölkerung nicht zusammen. „Das ist eine grausame Ungleichheit über die Jahrhunderte hinweg.“

Vivien Goldman: „Die Rache der She-Punks“
Ventil Verlag
224 Seiten, 20 Euro

Erst jetzt gebe es eine Wende: „Dinge wie die MeToo-Bewegung haben den rücksichtslosen Aspekt dessen unterstrichen, was im Musikbusiness vor sich geht.“

Globale Benachteiligung von Frauen

Immerhin: Die Existenz ihres Buches habe ihr gezeigt, wie sehr sich die Zeiten verändert hätten. Darin lässt Vivien Goldman Frauen aus der gesamten Welt zu Wort kommen, auch Bands aus Kolumbien und China. Die Benachteiligung von Frauen sei ein globales und historisches Problem. Doch der Kampf für Gleichberechtigung, der vor Jahrzehnten begonnen habe, gehe immer weiter.
„Als ich bei der ersten Punk-Welle dabei war, hatten wir die Bewegung 'Rock gegen Rassismus'." Der Druck müsse aufrechterhalten werden, um „den Verstand und die Herzen“ von Menschen zu verändern und in einer gerechteren Welt leben zu können. Dass Frauen im Musikbusiness zum Schweigen gebracht wurden, sei nur ein Aspekt der bisherigen Ungleichheit und Ungerechtigkeit.

Musik als Botschaft

Mit dem neuen Album "Next is now" ist nun die Musik in Vivien Goldmans Leben zurückgekehrt. Das erfülle sie mit Freude. "Es ist irgendwie politisch für mich. Auch wenn die Platte modern klingt, hört man das Echo meiner Wurzeln – die punkige Reggae-Generation, die Post-Punk-Generation. Es ist fantastisch!“
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