Virtuose Verse

18.10.2011
Beide waren große Virtuosen und schrieben für das Klavier maßgeschneiderte Zauberstücke. Dass Franz Liszt und Sergej Rachmaninow auch Lieder komponierten, ist weniger bekannt. Diana Damrau und Helmut Deutsch brechen eine Lanze für sie.
Am Anfang war Schubert. Franz Liszt verehrte dessen Lieder und paraphrasierte sie auf dem Klavier – ein merkwürdig anmutendes Verfahren, mit dem er sich jedoch die Gattung erschloss (und nebenbei eine ganze Reihe schöner Klavierstücke schuf). Dann begann Liszt, selber Lieder mit Klavierbegleitung zu schreiben – über 80 wurden es insgesamt, meistens einzelne Vertonungen. Keine andere Werkgattung offenbart die atemberaubende Weltoffenheit des Kosmopoliten Liszt so sehr wie diese Gesänge, denn Liszt vertonte Texte aus allen ihm zugänglichen Sprachen: Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch und Ungarisch. In der deutschen Lyrik begeisterte er sich für Goethe und Heine, in der französischen für Dumas und Hugo. Überdies faszinierte ihn die frühe italienische Dichtkunst, vor allem Dante und Petrarca. Liszts Petrarca-Vertonungen gleichen opernhaften Ausschweifungen eines ruhelosen Geistes, sie reichen – wie so vieles von Liszt – weit über den Horizont ihrer Entstehungszeit hinaus und hinterließen Spuren bis hin zu Schönberg.

Sergej Rachmaninow, zwei Generationen jünger als Liszt, war im 20. Jahrhundert einer der letzten Komponisten des klassischen Klavierliedes – einer Gattung, die sich lustvoll an ihren eigenen Grenzen rieb. "Trunkener Mystizismus, ekstatische Sensationen vor dem Hintergrund eines tiefen, existenziellen Pessimismus – nicht Form und Wohlklang waren verlangt, sondern Leidenschaft, Gefühle, Schwüle, Kummer." So beschrieb Leonid Sabanejew die Prägungen des jungen Liedkomponisten Rachmaninow – und Leidenschaft, Gefühle, Schwüle sowie Kummer sind Welten, in denen sich die große Opernsängerin Diana Damrau bestens auskennen dürfte.


Staatsgalerie Stuttgart, Vortragssaal
Aufzeichnung vom 16.10.11


Franz Liszt
Petrarca-Sonette und andere Lieder für Stimme und Klavier

ca. 20:50 Uhr Konzertpause mit Nachrichten
Uwe Friedrich im Gespräch mit Diana Damrau

Sergej Rachmaninow
Ausgewählte Lieder für Stimme und Klavier


Diana Damrau, Sopran
Helmut Deutsch, Klavier