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Interview | Beitrag vom 24.02.2020

Virologe Jonas Schmidt-ChanasitGrenzschließungen helfen nicht mehr gegen das Coronavirus

Jonas Schmidt-Chanasit im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Simulation eines Lufttransports von einem Patienten, der mit dem Coronavirus infiziert ist. Eina Militärübung in Mailand, Italien. (Getty / Fabrizio Villa)
Simulation eines Lufttransports von einem Patienten, der mit dem Coronavirus infiziert ist in Italien. Man sollte sich auf das Virus vorbereiten, sagt Jonas Schmidt-Chanasit. (Getty / Fabrizio Villa)

Die Pandemie ist da, sagt Virologe Jonas Schmidt-Chanasit mit Blick auf das Coronavirus. Nun gilt es sich in Deutschland auf das Virus vorzubereiten - und Kranken schnell zu helfen.

"Die Entwicklung der letzten Tage hat deutlich gemacht, dass wir es mit mehren Ausbrüchen außerhalb Chinas, also in Italien, in Südkorea und im Iran zu tun haben - das ist eine Pandemie", sagt Jonas Schmidt-Chanasit, Professor für Virologie in Hamburg. Es habe keinen Sinn mehr, mit Grenzschließungen verhindern zu wollen, dass der Virus aus China kommt. "Das ist passiert. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass die Erkrankten gut und schnell versorgt werden."

Dafür müssten schon jetzt entsprechende Kapazitäten in den Intensivstationen der Krankenhäuser geschaffen werden, empfiehlt der Virologe. "Es gibt Pandemiepläne in Deutschland, die jedes Krankenhaus hat, die müssen umgesetzt werden und die Ressourcen zur Verfügung gestellt werden."

Gute Handhygiene ist wichtig

Ein Ausbruch in Deutschland werde sich wohl nicht mehr verhindern lassen. Man könne ihn nur verzögern, in dem beispielsweise Massenveranstaltungen abgesagt werden. Auch auf eine verstärkte Handhygiene sollte jeder Einzelne achten.

"Hoffnungen machen erste Ergebnisse aus China mit Medikamenten, die bereits verfügbar sind. Dazu gehört zum Beispiel ein HIV-Medikament oder auch ein Malaria-Medikament. Wenn diese Medikamente wirklich wirksam sind, können sie schnell eingesetzt werden, weil sie schon am Markt sind", so Schmidt-Chanasit, denn die Entwicklung neuer Medikamente oder eines Impfstoffs werde noch dauern.

(nho)

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