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Fazit / Archiv | Beitrag vom 15.07.2020

Viola Davis als Cover-ModellErstes "Vanity Fair"-Titelbild eines schwarzen Fotografen

Christiane Kuhlmann im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Viola Davis trägt einen fliederfarbenen Blazer und gibt ein Interview. (Getty Images for TIME / Daniel Boczarski)
Viola Davis Im Februar 2020 (Getty Images for TIME / Daniel Boczarski)

Das Modemagazin "Vanity Fair" hat über ein Jahrhundert gebraucht, um einen schwarzen Fotografen zu beauftragen, das Coverfoto zu machen. Dario Calmese hat den Moment genutzt, um ein politisches Bild abzuliefern: die Schauspielerin Viola Davis schaut trotzig in die Ferne.

Hier kommt ein Paradebeispiel für strukturellen Rassismus. Das Hochglanz-Modemagazin "Vanity Fair" gibt es seit über hundert Jahren. Nun ist auf dem Cover der Juli/August-Ausgabe zum ersten Mal ein Foto zu sehen, das von einem schwarzen Fotografen gemacht wurde: Dario Calmese porträtiert die Schauspielerin und Oscar-Gewinnerin Viola Davis.

Calmese sei in verschiedenen künstlerischen Bereichen aktiv, sagt die Kunsthistorikerin und Kuratorin für Fotografie, Christiane Kuhlmann: "Er schreibt Texte, er macht Ausstellungen, er führt einen Blog." Fotografie sei eine Kunst unter mehreren.

Für "Vanity Fair" sei das Foto von Calmese sehr ungewöhnlich. Die Schauspielerin zeige kein Dekolleté, sondern drehe dem Betrachter den Rücken zu: "Sie beachtet den Magazin-Käufer überhaupt nicht." Sehr selbstbewusst schaue die Schauspielerin: "Ich finde, es ist ein richtig tolles Bild."

Kuhlmann sieht auch Protest in dem Foto. Durch die Haltung, durch das Gesicht. Viola Davis schaue fast trotzig in die Ferne: "Als wenn sie sagen würde: 'Schaut doch, guckt doch.' Aber es interessiert sie nicht."

Das Foto erscheine genau zur richtigen Zeit, sagt Kuhlmann: mitten im Wahlkampf und in der Hochphase der "Black Lives Matter"-Bewegung.

Wenn wir uns nur nicht mehr wundern müssten

Sie sei sehr erstaunt gewesen, dass es das erste Coverfoto der "Vanity Fair" von einem schwarzen Fotografen sei, so die Kuratorin: "Ich glaube, es würde sehr viel ändern, wenn wir uns nicht mehr darüber wundern müssten."

Die Glamour-Zeitschriften seien sehr viel näher an den Menschen als beispielsweise der Kunstbetrieb, betont Kuhlmann. Und könnten deshalb Meinung machen und Stimmungen beeinflussen: "Modekultur, Popmusik, Rockmusik - das sind die Kunstformen, die mehr erreichen, als wenn wir eine soziologische Studie machen würden".

(beb)

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