Hörspielmagazin, vom 03.04.2019

Via Sound in die Welt der GenforschungDer Klang der Kartoffel

Was ist einfacher? Das Genom einer Kartoffel zu durchdringen oder zu hören, wie eine Kartoffel klingt? Oder ist es am Ende gar ein und dasselbe?

Unterschiedliche Kartoffelsorten mit den Namen (l-r) "Bamberger Hörnchen", "Highland Burgundy Red", "Blaue Salatkartoffel" und "Emma" hält am Mittwoch (23.06.2004) Biobauer Karsten Ellenberg in Barum (Kr. Uelzen) zwischen den Fingern.  (picture-alliance / dpa / Wolfgang Weihs)
Vier Knollen, vier Klangwelten. Das Projekt Plantsonic bringt Pflanzen zum Klingen. (picture-alliance / dpa / Wolfgang Weihs)

Mit Pflanzengenen haben wir täglich zu tun, Genscheren und Genveränderungen sind in aller Munde, dennoch schalten beim Thema Genetik oder gar Gentechnik viele Menschen ab, bekommen ein mulmiges Gefühl. Für welche Kartoffel soll man sich im Supermarkt entscheiden? Man sieht ihr gentechnische Veränderungen ja nicht an. Aber sich deswegen jetzt für Pflanzenzüchtung interessieren?

Wie – außer mit langen Datentabellen – kann man also das Genom einer Pflanze erfahrbar machen? Das Genom, das die Persönlichkeit und die Geschichte des Gewächses birgt? Mit Klang, sagt eine Gruppe aus Wissenschaftlern, Künstlerinnen, Radioleuten und Museumsmenschen. Die genetischen Daten sind ja lesbar – zumindest für Biologinnen.

Pflanzen zum Klingen bringen - an der Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst

Das Projekt Plantsonic macht vereinfacht gesagt genau das: Es übersetzt die genetischen Datensätze von Pflanzen in Klänge. Und zwar auf eine systematische und reproduzierbare Art und Weise.

Weil jede Pflanze ihre ganz eigenen biologischen Merkmale hat, bekommt auch jede Pflanze ihren ganz eigenen Klang. Er verrät die Geschichte der jeweiligen Pflanze, gibt Hinweise auf jahrhundertelange Züchtung durch den Menschen und lässt die Zuhörerin die genetischen Veränderungen durch die Zeit erahnen. Veränderungen, die zu großen Teilen auf den Menschen zurückgehen.

Die Komplexität der Genome wird erfahrbar

Mitgewirkt haben Molekularbiologen und natürlich Medienkünstler, die mit den Basenpaaren unterschiedliche Töne zugeordnet haben. Mit synthetischer Musik, denn so eine Kartoffel oder Tomate kann auch schon mal jahrelang klingen. So komplex sind die Genome.

Das Projekt zur Verklanglichung von Pflanzen gehört in die Reihe Sonarisationen, die die Abteilung Radiokunst von Deutschlandfunk Kultur, gemeinsam mit der Ambient Intelligence Group des CITECT Bielefeld ins Leben gerufen hat. In dieser Reihe erzeugen Künstler und Wissenschaftlerinnen sinnliche Hörräume aus abstrakten Daten. Die Ergebnisse präsentiert Deutschlandfunk Kultur immer dann, wenn eine Hörspiel-, Feature- oder Klangkunst-Sendung etwas kürzer ist als der jeweilige Sendeplatz.

Wie Klangkunst zum Verständnis von Pflanzenzüchtung beiträgt
Von Julia Diekämper

Klangkunst trifft Wissenschaft - Vom Sound der Kartoffel zum mündigen Kunden
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 04.04.2019)