Seit 20:03 Uhr Konzert

Sonntag, 09.12.2018
 
Seit 20:03 Uhr Konzert

Thema / Archiv | Beitrag vom 13.12.2005

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Wie Qualität beim Internet-Lexikon Wikipedia gesichert werden soll

Von Jörg Schieb

Wikipedia lebt von engagierten Mitarbeitern. (Wikimedia)
Wikipedia lebt von engagierten Mitarbeitern. (Wikimedia)

Bisher konnte jeder im Wikipedia einen Artikel schreiben. Seitdem Personen diffamiert oder Lebensläufe verändert wurden, dürfen nur noch registrierte Nutzer Beiträge erstellen. Das Thema Qualitätskontrolle wird bei dem Internet-Lexikon nun ernst genommen.

Jeder kann bei Wikipedia einen Artikel schreiben - oder einen bestehenden Artikel erweitern oder korrigieren. Motto: Einer für alle und alle für einen. Das Problem ist nur: Schreibt jemand Unsinn ins Wikipedia-Lexikon, ist das auch gleich öffentlich verfügbar gemachtes Wissen. Schlägt jemand bei Wikipedia nach und verlässt sich auf die dort angebotenen Informationen, kann das ganz schön ärgerlich werden.

Früher oder später wird ein anderer fachkundiger Wikipedianer den Fehler wahrscheinlich finden - und hoffentlich korrigieren. Die Frage ist nur: Wann? So manche Falschinformation ist tage-, wenn nicht wochenlang bei Wikipedia online.

Doch damit nicht genug. Immer öfter kommt es vor, dass Wikipedia gezielt manipuliert wird. Da werden Personen diffamiert, Lebensläufe verändert oder Bewertungen korrigiert. Bei uns in Deutschland zum Beispiel während der Bundestagswahl bei prominenten Politikern geschehen. Vor einigen Tagen wurde in der amerikanischen Wikipedia-Ausgabe der prominente US-Journalist John Seifenthaler in Wikipedia diffamiert und verleumdet.

Dem 78-Jährigen wurde doch glatt in einem Wikipedia-Artikel unterstellt, in den Mord an US-Präsident John F. Kennedy verstrickt gewesen zu sein. USA Today und CNN berichteten darüber - und Wikipedia geriet erstmals wirklich ins Kreuzfeuer der Kritik.

Weil wirklich jeder bei Wikipedia Texte ändern kann, lässt sich noch nicht einmal nachvollziehen, wer solche verleumderischen Behauptungen ins Onlinelexikon stellt. Ein Unding. Darum hat zumindest die amerikanische Wikipedia-Gemeinde reagiert. Ab sofort dürfen nur noch registrierte Wikipedia-Nutzer Beiträge erstellen und bearbeiten, nicht registrierte sind ausgeschlossen.

Was nicht bedeutet, dass das Problem damit beseitigt wäre. Schließlich ist so eine Anmeldung bei Wikipedia schnell erledigt und auch weitgehend anonym, also keine wirkliche Hürde. Aber: Das Thema Qualitätskontrolle, das Kritiker schon länger anmahnen, wird nun offensichtlich auch bei Wikipedia endlich ernst genommen. Denn wie Recherchen gezeigt haben: Selbst der verleumderische Beitrag über den US-Journalisten John Seifenthaler wurde mehrfach überarbeitet. Allerdings wurden lediglich Rechtschreibfehler korrigiert.

Auch Wikipedia-Beiträge über andere Prominente wie zum Beispiel Microsoft-Gründer Bill Gates enthalten viele wertende, teilweise verzerrende Informationen und Formulierungen. Was im Grunde noch nicht mal erstaunlich ist, denn die Netzgemeinde gibt sich gerne kritisch. Sie neigt außerdem dazu, die Dinge gerne nur von einer Seite zu sehen und verschließt sich Gegenargumenten. Das lässt sich tagtäglich in einschlägigen Foren beobachten. Findet so etwas aber in einem Onlinelexikon Einzug, ist zumindest die Frage erlaubt, wie seriös, glaubwürdig und zuverlässig der Nachschlagebereich ist.

Darum braucht Wikipedia dringend ein verlässliches Qualitätsmanagement. Anders geht es nicht. Vielleicht ist der erste Schritt jetzt getan. Zu hoffen wär's,


Das Gespräch zum Thema "Das Ende der freien Enzyklopädie?" mit Prof. Dr. Gabriele Hornsteiner, Fachhochschule Hof, Administratorin bei Wikipedia, können Sie bis zu acht Wochen nach der Sendung in unserem Audio-On-Deman-Player hören.

Mehr bei deutschlandradio.de

Externe Links:

Internetenzyklopädie Wikipedia

Thema

Karl der GroßeKunstsinniger Barbar
Eine Figur Karls des Großen steht am 16.06.2014 in Aachen (Nordrhein-Westfalen) im Centre Charlemagne. Die Ausstellung "Karl der Große, Macht, Kunst, Schätze" ist vom 20.06.2014 bis zum 21.09.2014 in Aachen zu sehen.  (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Er war einer der Gründungsväter Europas: Karl der Große hat die karolingische Renaissance eingeleitet. Eigentlich sei es ihm aber nur um die Legitimierung seiner Macht gegangen, meint Kunsthistoriker Michael Imhof. Mehr

DDR-GeschichteSieg über den Ort des Grauens
Der ehemalige politische Gefangene Gilbert Furian in einer Gefängniszelle der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus vom Verein Menschenrechtszentrum in Cottbus (Brandenburg). (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Weil er in der DDR Interviews mit Punks publizierte, kam Gilbert Furian in den Cottbuser Knast. In der heutigen Gedenkstätte wird er nun in der Oper "Fidelio" mitsingen - um einen "großen Rucksack Bitterkeit" erleichtert.Mehr

Agenturfotos"Das ist sicher ein Aufbruch"
Sheryl Sandberg, Geschäftsführerin des US-amerikanischen Internetkonzerns Facebook  (picture alliance / dpa / Foto: Jean-Christophe Bott)

Die Karrierefrau, die am Schreibtisch sitzt, oder das schamlose Zeigen von Terroropfern in Afrika - Sheryl Sandberg von Facebook und Pam Grossman von der Bildagentur Getty Image wollen solchen Klischeefotos etwas entgegensetzen. Sie haben die Datenbank "Lean In Collection" gegründet. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur