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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 02.03.2010

Versicherungspolice für den Erziehungserfolg

Sabine Andresen/Micha Brumlik/Claus Koch: "Das ElternBuch", Beltz Verlag, Weinheim 2010, 636 Seiten

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Das "ElternBuch" will Eltern zu Fachleuten in eigener Sache machen.  (Jan-Martin Altgeld)
Das "ElternBuch" will Eltern zu Fachleuten in eigener Sache machen. (Jan-Martin Altgeld)

Das "ElternBuch" ist so etwas wie ein Kompendium für gelungene Elternschaft: Von der Zeugung bis zur vollendeten Ausbildung begleitet es Mütter und Väter durch alle entscheidenden Entwicklungsetappen ihres Kindes.

Da geht es um Schwangerschaft und Geburt, es geht ums Essen und Schlafen, um den Kindergarten und die Schule, um Sprache und Körper, um Pubertät und auffälliges Verhalten. Zu all diesen Themen tragen 50 Wissenschaftler, Therapeuten, Lehrer, Ärzte das neueste abgesicherte Forschungswissen zusammen. Auf dieser Grundlage sollen Eltern selbst kompetent entscheiden und es ist das Verdienst der Herausgeber, der Erziehungswissenschaftlerin Sabine Andresen, des Erziehungswissenschaftlers Micha Brumlik und des Psychologen Claus Koch, dass sie genau dies den Eltern zutrauen.

Wer allerdings ein Buch mit schnellen Lösungen erwartet, der ist hier falsch. Denn das "ElternBuch" will informieren, sachlich und kompetent. Es will Eltern zu Fachleuten in eigener Sache machen. Und genau das gelingt! Denn statt schnelle Lösungen und Rezeptwissen anzubieten, werden hier Studien analysiert und praktische Erfahrungen kritisch reflektiert. Da schreibt die Schulleiterin Ulrike Kegler, wie wichtig es ist, dass Eltern das Grundvertrauen ihrer Kinder nähren und nach einer Schule suchen, die deren Individualität respektiert und auf Zensuren verzichtet. Denn Bewertungen, so die erfolgreiche Direktorin, bremsen das Eigeninteresse der Kinder am freudigen Lernen.

Der Soziologe Michael Matzern hingegen beschäftigt sich ausführlich mit der wichtigen Rolle des Vaters für die Entwicklung des Kindes und zeigt, dass einer aktuellen Studie zufolge nur 34 Prozent der befragten Acht- bis Elfjährigen ihren Vater wirklich ausreichend erleben. Und Michael Kirchner schreibt über kranke Kinder und blickt dabei auf die Beziehungsdynamik zwischen Eltern und Kind. Seine Erfahrung als Arzt ist, dass sich durch harmlose Krankheiten oft Unstimmigkeiten im Erziehungskonzept offenbaren. Wichtig sei es daher, nicht nur die Symptome zu behandeln, sondern in erster Linie den Auslöser auszumachen. Hinter Kopf- oder Bauchschmerzen, so der Mediziner, stecken nicht selten Probleme, die die Eltern mit Ruhe und Besonnenheit aus dem Weg räumen können.

Tatsächlich bleibt auf den über 630 Seiten kein Aspekt aus, mit dem Eltern beim Aufwachsen eines Kindes konfrontiert werden können. Egal, ob es um Schreikinder, Einschlafprobleme, Essstörungen oder um Kriminalität und politischen Extremismus geht, die Herausgeber stellen sich jedem dieser Themen und holen viele Eltern genau da ab, wo sie stehen.

Und genau das ist die Stärke dieses Buches: Es klärt auf, macht Mut und appelliert an Mütter wie an Väter, sich Zeit zu nehmen für ihre Kinder; sie teilhaben zu lassen am täglichen Leben und schon dadurch Nähe und Geborgenheit zu schaffen. Allein deshalb gehört das "ElternBuch", genau wie das Sparbuch, für das Kind als eine Art Versicherungspolice für den Erziehungserfolg in die Hand möglichst vieler Eltern.

Besprochen von Barbara Leitner

Sabine Andresen/Micha Brumlik/Claus Koch: Das ElternBuch. Wie unsere Kinder geborgen aufwachsen und stark werden
Beltz Verlag, Weinheim 2010
636 Seiten 29,95 Euro

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