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Kompressor | Beitrag vom 18.10.2019

Verschwörungstheorien im DeutschrapEinfaches Mittel, die Welt zu erklären

Moderation: Azadê Peşmen

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Im Titelbild des YouTube-Formats "Para? Normal!" sind hinter Kollegah stilisierte Symbole wie ein Auge, die Pyramiden oder Stonehenge eingeblendet. (Screenshot aus dem YouTube-Kanal von Felix Blume, Video: "PARA?NORMAL! - Stonehenge, Kornkreise und Verschwörungstheorien")
Felix Blume alias Kollegah. (Screenshot aus dem YouTube-Kanal von Felix Blume, Video: "PARA?NORMAL! - Stonehenge, Kornkreise und Verschwörungstheorien")

Rapper prangern zuweilen auch Misstände an. Einige kreieren in ihren Songs aber ein Netz aus Verschwörungen. Für die Journalistin Miriam Davoudvandi nutzen manche prominente Deutschrapper auch gezielt Verschwörungsängste und machen damit Geschäft.

Chemtrails, der 11. September, die jüdische Weltverschwörung: Verschwörungstheorien so weit das Auge reicht. Nicht nur Internetforen sind voll davon, auch vor der Popkultur machen krude Ansichten und vermeintliche Erklärungsmuster nicht halt, allen voran ein Musikgenre, das häufig von Jugendlichen konsumiert wird: Rap.

Rap-Texte drehen sich nicht selten darum, dass die Welt von "den Rothschilds" regiert werde, in Interviews beschreiben Rapper und Rapperinnen, dass die Erde flach ist und dass die Mondlandung eine Simulation war. Die Musikjournalistin und DJ Miriam Davoudvandi sagt:

"Ich glaube nicht, dass Rap per se superanfällig für Verschwörungstheorien ist: Klar, es passiert, es passiert überall. Im Rap – so erkläre ich mir das – gibt es viele Menschen, die rappen, die auch mehrfach diskriminiert sind – sei es durch Klassismus oder Rassismus –, denen der Zugang zu Bildung erschwert wurde."

Heutzutage gebe es durch das Internet aber die Möglichkeit, sich selbst zu informieren und zu bilden, sagt Miriam Davoudvandi, daher könne sie nachvollziehen, dass Menschen, die Diskriminierungserfahrungen gemacht haben, oft Dinge nicht mehr glauben würden.

Dieser Glaube an Verschwörungen ist nach Einschätzung der Journalistin nun ein Weg hin zu einer leichten Erklärung insbesondere bei Dingen, die man sich eben nicht einfach erklären könne.

Viele Fans hinterfragen Texte nicht

Für viele seien Verschwörungstheorien ein einfaches Mittel, um zu erklären, wie Macht funktioniert, so Miriam Davoudvandi. Das Problem sei dabei allerdings, dass diese Theorien, wenn die Rapper sie in ihren Songs erwähnen, von vielen Fans dann eben nicht mehr hinterfragt werden: "Es gibt extrem viele Leute, die sich das einfach nur zur Belustigung ankucken, aber es gibt auch extrem viele – und ich würde sagen, dazu gehören auch sehr, sehr junge Leute –, die das ja auch glauben." Und durch die neuen Medien, durch die Vernetzung, würden diese Theorien einfach nur sichtbarer und viel leichter zugänglich. 

In Ungleichheit gedeihen Verschwörungstheorien

Miriam Davoudvandi unterscheidet hier allerdings auch sehr deutlich bei den Protagonisten im Rap:

"Es gibt Leute, die es einfach nicht besser wissen können, aber es gibt auch Leute, die steigen sehr auf, wie zum Beispiel Kollegah: Da ist es jetzt nicht einfach nur naives Nicht-Wissen, sondern ein wirkliches 'Teilnehmen an dem Ganzen' und 'Profitieren von dem Ganzen'. Weil Kollegah ist mächtig, hat eine extreme Reichweite, und er hat auch extrem viel Geld. Da dann immer von 'denen da oben' zu sprechen, obwohl man eigentlich auch einer von denen da oben ist – das finde ich schwierig und dann auch noch selber Profit daraus zu schlagen, indem man dann auch noch Seminare anbietet zu solchen Themen, ist viel problematischer, als wenn Celo & Abdi mal irgendeine Line zu solchen Themen mal irgendwo droppen."

Der gewichtigste Grund aber, dass solche Verschwörungstheorien gedeihen, ist nach Einschätzung von Miriam Davoudvandi ganz einfach die soziale Ungleichheit, die die Ursache dafür ist, dass junge Leute von der Politik nicht erreicht werden.

(sru)

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