Die Angst der Museen vor einer Auseinandersetzung
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Es sollte eine große Retrospektive des Malers Philip Guston werden. Doch die teilnehmenden Museen entschieden, die Schau zu verschieben. Grund: rassistische Aspekte im Werk. Kulturschaffende, darunter der Sammler Harald Falckenberg, protestieren dagegen.
Der Maler Philip Guston hat in den 1960er-Jahren in cartoonartigen Bildern seiner Erfahrungen mit dem Ku-Klux-Clan verarbeitet. Vier Museen wollten dem Künstler eine Retrospektive widmen, die nun auf 2024 verschoben wurde.
Die Museen fürchten offenbar, die Ausstellung könnte im gegenwärtigen Rassimusdiskurs falsch aufgefasst werden. Dafür werden die National Gallery of Art in Washington, das Museum of Fine Arts in Houston und Boston und die Tate Gallery of Modern Art in London nun heftig kritisiert.
Über 100 Kulturschaffende haben einen offenen Brief initiiert, in dem gefordert wird, die Ausstellung wie geplant stattfinden zu lassen. Die Museen scheuen die Kontroverse, heißt es in dem Brief. Auch der Fotograf Wolfgang Tillmans schloss sich der Kritik an.
Kritische Auseinandersetzung mit Rassismus
Die Absage sei ein Skandal, sagt der Sammler Harald Falckenberg. Er gehört zu den inzwischen mehr als 2000 Unterzeichnenden des offenen Briefes. Das ganze Werk Gustons sei auf eine kritische Auseinandersetzung mit der US-amerikanischen Gesellschaft ausgerichtet: "Insbesondere mit dem Rassismus, der von den Weißen ausgeht."
Die Institutionen hätten Angst sich mit etwas auseinanderzusetzen, das vielleicht nicht "politically correct" sei, so Falckenberg. Der Ku-Klux-Klan habe die erste Ausstellung von Guston in Los Angeles völlig zerstört, erzählt Falckenberg: "Er ist nicht etwa mit ihnen, sondern gegen sie."
(beb)