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Interview | Beitrag vom 05.08.2020

Verödende InnenstädteFolgen einer autofixierten Stadtplanung

Martin Schmitz im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Blick in die Fußgängerzone Lange Straße in Lübbecke (picture alliance / Robert B. Fishman)
Fußgängerzone Lange Straße in Lübbecke: Wo ist das Eckchen, an dem man gerne seine Zeit verbringt? (picture alliance / Robert B. Fishman)

Der Onlinehandel lässt die Innenstädte zunehmend verwaisen - und die Coronakrise hat den Trend weiter verstärkt. Gut möglich, dass die Stadtmitten bald keiner mehr braucht, sagt Architekt und Stadtplaner Martin Schmitz.

Einkaufen per Internet, arbeiten von zu Hause: Die Fahrt in die Innenstadt ist für viele inzwischen fast überflüssig geworden. Durch die Coronakrise hat sich diese Entwicklung beschleunigt - begonnen hat sie allerdings schon weitaus früher, sagt der Architekt und Stadtplaner Martin Schmitz.

Resultat veralteter Stadtplanung

Die Probleme der Fußgängerzonen seien so alt wie die Fußgängerzonen selbst. Die Umsatzrückgänge der Innenstadthändler hätten sich beispielsweise in Kassel schon in 80er Jahren bemerkbar gemacht - was man versucht habe, mit einem modernerem Design aufzufangen, sagt Schmitz.

"Das ist so ungefähr so wie wenn man die Wohnungseinrichtung alle zehn Jahre wechselt, also Moden unterworfen - und das geht natürlich nicht. Es liegt an der Struktur der Städte, dass da was nicht mehr funktioniert. Es ist eigentlich ein Resultat veralteter Planung."

Innenstädte für Autos gebaut

Stadtplanung sei nach dem Zweiten Weltkrieg eigentlich nur Autoverkehrsplanung gewesen, so der Architekt weiter. Fußgängerzonen seien dabei in erster Linie nicht wegen der Fußgänger, sondern wegen der Autos gebaut worden. Alle hätten vor dem Metzger in der Stadtmitte parken wollen, weshalb dort in der Folge mehr Parkplätze entstanden seien, dann breitere Straßen zur Zufahrt von außen und so fort. 

Regionale Zonen mit eigener Identität entwickeln

Die einzige Möglichkeit, um dieses Konzept umzugestalten, sieht der Architekt in einem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Dabei müssten die Qualitätsmaßstäbe "einer S-Klasse von Mercedes" zu Grunde gelegt werden. Die gegenwärtigen Straßenbahnen hingegen seien noch immer "sehr unkomfortable Geschichten". Ebenso müsse man stärker auf regionale Stadtzonen mit eigener Identität setzen. "Die Stadtmitte geht vielleicht verlustig, vielleicht brauchen wir bald keine Stadtmitten mehr."

(cmk)

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