Seit 22:03 Uhr Feature
Dienstag, 22.06.2021
 
Seit 22:03 Uhr Feature

Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.10.2019

Verleihung Preis für PopkulturPreis mit Relevanz gesucht

Christoph Möller im Gespräch mit Susanne Burkhardt

Die Band Deichkind nimmt einen Preis für Popkultur entgegen (imago images/Photopress Müller)
Die Abräumer des Abends: Deichkind erhielten drei Preise für Popkultur (imago images/Photopress Müller)

Der Preis für Popkultur sollte ein Gegenpol zu herkömmlichen Musikauszeichnungen sein: fair und transparent statt mit der Industrie verflochten. Jetzt wurde er erneut verliehen und unser Musikkritiker stellt fest: Der Anspruch ist gescheitert.

Seit vier Jahren gibt es den Preis für Popkultur. Im Berliner Tempodrom wurden die Auszeichnungen in zwölf Kategorien vergeben, darüber hinaus wurde noch ein Lifetime Achievement Award an den Label-Gründer Alfred Hilsberg verliehen.

Die Jury besteht aus über 800 Personen, Label-Managern, Musikschaffenden und Kritikern und doch meint unser Musikkritiker Christoph Möller, dass auch dieses Jahr wieder nicht die beste Musik aus Deutschland gewürdigt wurde: "Es wurde keine elektronische Musik ausgezeichnet, auch der junge deutsche Rap fehlt völlig, genauso wie der Indie-Bereich."

Solide, weiße Männlichkeit

Rammstein und die Beatsteaks seien jedes Jahr nominiert, berichtet Möller: "Also so eine solide, weiße Männlichkeit." So überrascht der Gewinner der Kategorie "Lieblings-Solokünstler" nicht wirklich. Dendemann gewinnt, und auch in der Kategorie "Lieblingsalbum" gewann der Wahl-Hamburger mit "da nich für".

Der Rapper Dendemann nimmt einen Preis für Popkultur entgegen (imago images/Photopress Müller)Gewann Preise als Lieblings-Solokünstler und für das beste Album: Dendemann (imago images/Photopress Müller)

Die meisten Auszeichnungen des Abends bekam die Spaß-Guerilla von Deichkind. Lieblingsband, Lieblingslied ("Richtig gutes Zeug") und Lieblingsvideo (auch "Richtig gutes Zeug") gingen an die Elektro-Hip-Hopper. Lieblingskünstlerin wurde Sophie Hunger.

Grundgesetz bei Popkultur-Gala

Die Gala bemühte sich politisch zu wirken, berichtet Möller: "Zu Beginn wurde gleich erstmal das Grundgesetz zitiert: 'Die Würde des Menschen ist unantastbar', als Beispiel dafür, Haltung zu zeigen. Und da wurde wirklich aus allem Haltung rausgequetscht, wo vielleicht gar nicht so viel Haltung drin ist."

Es gebe zwei Kategorien, wo gesellschaftskritische Aktionen ausgezeichnet werden, sagt Möller. Bei "Gelebte Popkultur" hat das "#wirsindmehr-Festival" in Chemnitz gewonnen und in der Rubrik "Spannendste Idee/ Kampagne" haben Joko&Klaas gewonnen, die ihre 15 Minuten Sendezeit bei ProSieben in den Dienst der Seenotretter im Mittelmeer gestellt haben.

Es war schon mal besser

Vor zwei Jahren sei die Verleihung besser choreografiert gewesen, meint Möller "mit Fans im Tempodrom" und natürlich sei es ehrenwert zu versuchen, Popmusik als preiswürdig darzustellen, aber abschließend ist sein Fazit doch recht ernüchternd: "Die Luft ist raus."

(beb)

Mehr zum Thema

Neues Album "Wer sagt denn das?" - Deichkind wollen nicht nur Party machen
(Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 23.09.2019)

Antisemitismus-Kritik bei Echo-Preisverleihung - Campino kritisiert, Helene Fischer schweigt
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 13.04.2018)

Das Haldern Pop Festival - Weltmusik in der Provinz
(Deutschlandfunk Kultur, Lange Nacht, 03.08.2019)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsAb jetzt werden die Tage kürzer
Eine Menschengruppe hebt im Schattenriss die Arme vor einer glutroten Abendstimmung. (picture alliance / Paul Zinken)

Kaum wird es richtig Sommer, weisen einige darauf hin, dass die Tage wieder kürzer werden. Diese von der "FAZ" so genannten "Kalendaristen" machen sich nicht beliebt. Die Zeitung nennt deren Hinweis dann auch "nichtsnutzig und liebestötend".Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur