Seit 06:05 Uhr Studio 9
Samstag, 18.09.2021
 
Seit 06:05 Uhr Studio 9

Profil / Archiv | Beitrag vom 05.10.2006

Verleihung des Spaßnobelpreises

Deutscher Mark Bennecke ist Jurymitglied

Von Juliane Krebs

Bevorzugen Hühner schöne Menschen? Sie meinen, dies seien keine wissenschaftlich relevanten Fragen? Nach Meinung einer internationalen Forschergruppe schon, die jährlich die Gewinner des Spaßnobelpreises in der renommierten Harvard Universität ausrufen. Am Donnerstag ist es wieder soweit. Mit dabei ist das deutsche Jurymitglied Mark Bennecke.

Mark Benecke: "Das ist eigentlich eher Zufall, dass ich Kriminalbiologe bin. Also ich könnte jetzt genauso gut Frösche in Kolumbien sammeln."

Doch Mark Benecke sitzt nicht in Kolumbien, sondern in seinem Wohnzimmer in Köln. Die Regale an den Wänden biegen sich unter dem Gewicht unzähliger Bücher und Zeitschriften. Im Raum verteilt stehen außerdem zahlreiche ausgestopfte Tiere, wie man sie eher in einer Jagdhütte vermuten würde. Benecke selbst sitzt entspannt in einem Ledersessel und erinnert sich an seine Anfänge:

"Also ich bin in den Beruf reingerutscht, weil ich genetische Fingerabdrücke machen wollte und die konnte man damals in der Biologie kaum machen, weil es zu teuer war und in der Medizin ging das und dadurch bin ich in der Rechtsmedizin gelandet."

Mittlerweile ist Benecke 36 Jahre alt und Sachverständiger für biologische Spuren. Doch was genau ist eigentlich seine Aufgabe?

Mark Benecke: "Kriminalbiologe ist jemand, der mit biologischen Spuren von Tatorten oder im Zusammenhang mit Tatorten arbeitet, zum Beispiel mit Blut, Haaren, Sperma, Speichel, Kot oder Urin. Also Leute, die besonders zart besaitet sich, würden den Job gar nicht erst machen, das ist klar."

Zart besaitet ist Benecke nicht, soviel steht fest. Seine Arbeit führt ihn zu immer neuen Tatorten. Mal untersucht er Blutspritzer, um den genauen Tathergang zu rekonstruieren. Und mal begutachtet er Insekten, die sich auf einer Leiche angesiedelt haben.

Mark Benecke: "Bei Insekten kann man sich zum Beispiel fragen, wie lange hat ein Tier, auf der Leiche gelebt, das könnte zum Beispiel einen Hinweis auf den Todeszeitpunkt geben oder auf den Ablagezeitpunkt irgendwo."

Doch nur, weil er sich täglich mit ihnen beschäftigt, sind nicht alle Krabbeltiere seine Freunde:

Mark Benecke: "Spinnen kann ich nicht leiden, Spinnen finde ich ekelig."

Längst bewegt sich Benecke, der im bayrischen Rosenheim geboren wurde, auch außerhalb der Tatorte. Er hält Vorträge, schreibt populärwissenschaftliche Bücher und hat unzählige Aufsätze veröffentlicht. Auch über ihn wird viel geredet. Und dies hat ihm nicht nur große Popularität, sondern auch viele verschiedene Spitznamen eingebracht.

Mark Benecke: "Es sind ja nette Sachen, also es hat immer etwas mit Insekten zu tun, und das ist ja auch angemessen."

Den "Herren der Fliegen" oder schlicht "Dr. Made" nennt man ihn gerne. Und als Mitglied der Transsilvanischen Dracula-Gesellschaft schreckt Benecke auch vor paranormalen Phänomenen nicht zurück. Doch seine Arbeit ist nicht nur düster: Denn seit über zehn Jahren ist Benecke Jurymitglied des Spaßnobelpreises. Ein Preis, der jährlich von den Herausgebern der amerikanischen Zeitschrift "Annals of Improbable Research", "Jahrbücher der Unglaublichen Forschung", vergeben wird. Für sie bewertet Benecke besonders ausgefallene und skurrile Forschungsarbeiten.

Mark Benecke: "Das ist auch ein Sinn von Spaßnobelpreisen, mal zu zeigen und zu ermöglichen, dass man mit diesen Leuten spricht und sieht, dass die halt auch lachen können und auch lustig sind und nicht nur mit langem, grauen Bart und grimmigen Gesicht durch die Gegend laufen."

Benecke ist bartlos, hat eine kleine, schwarze Nickelbrille im Gesicht und erinnert ein wenig an einen spitzbübischen Lausejungen. Seine dunkelbraunen Haare sind beinahe kahl rasiert, an seinen Armen lugen dunkle Tätowierungen unter den Hemdsärmeln hervor. Grimmig sieht Benecke zu keinem Moment aus. Stattdessen erzählt er humorvoll über den Preisträger für Physik 2001:

"Ein gutes Beispiel war der Spaßnobelpreis für Physik für den Kollegen, der ermittelt hat, warum Duschvorhänge sich immer an die Beine dran klatschen. Und das ist ja dann meistens so kalt, weil das Wasser am Vorhang ja schon ein bisschen abgekühlt ist und das ist ja dann immer eklig. Und dann hat er sich zuhause hingesetzt und hat eben dieses Duschproblem mal gelöst, weil er wahrscheinlich schon als kleiner Junge das seinem Physiklehrer nicht geglaubt hat."

Ein Forschungsbeispiel, welches die Kriterien der Jury erfüllte: Echte Forschung, aber thematisch unüblich, spaßig und - auf den ersten Blick zumindest - irgendwie unwichtig.

Mark Benecke: "In unserer Forschung ist es halt so, dass wir sagen, Wissen ist immer gut. Und das ist ein typisches Beispiel dafür. Aber gemacht hat er das in seiner Freizeit und eigentlich nur aus Neugier. Und Neugier ist eben das Allerwichtigste."

Neugier - dieses Wort fällt oft, wenn Benecke erzählt. Sie ist Grundstock aller Forschung.

Mark Benecke: "Immer neugierig bleiben, und nichts glauben. Auch sich selber nichts glauben, gar nichts glauben, sondern eben testen."

Profil

ThrillerAuf der Suche nach dem perfekten Krimi

Durchgeknallte Antihelden, drastische Gewaltszenen und jede Menge Waffen: Krimi-Autor George T. Basier gilt als Geheimtipp für extrem harte Pulp- und Noir-Stoffe. Er bringt seine Bücher als Selbstverleger heraus.Mehr

Poetry-SlamSelbstzweifel in Reime verpackt
Poetry-Slammerin und Psychologie-Studentin Julia Engelmann während einer NDR-Fernsehsendung (dpa picture alliance/ Georg Wendt)

Poetry-Slammerin Julia Engelmann wurde mit einem einzigen Video im Internet schlagartig bekannt. Nun hat sie ein Buch herausgebracht und geht damit auf Tour. Den Rummel um ihre Person sieht sie gelassen. Mehr

Chor der Woche Leichtigkeit für die Deutschen
Blick auf das Münchner Rathaus, aufgenommen am 11.03.2003. (picture alliance / dpa / Jochen Eckel)

Es ist ein kleines Ensemble für Laien mit Anspruch - und eine feste Größe in der Münchner Musikszene: der Chor "Catchatune". Die Brasilianerin Lilian Zamorana versucht vor allem, Leichtigkeit zu vermitteln.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur