Seit 14:05 Uhr Kompressor
Donnerstag, 22.10.2020
 
Seit 14:05 Uhr Kompressor

Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 21.07.2015

VerkehrsmittelBillig, bequem und umweltschonend - geht das?

Von Mirko Heinemann

Podcast abonnieren
Kinder spielen am Strand im Sonnenuntergang mit einem Ball. (imago/stock&people/Westend61)
Ab an den Strand mit den Kindern: Doch mit welchem Fortbewegungsmittel kommen Eltern und Nachwuchs da hin? (imago/stock&people/Westend61)

Eine Berliner Familie fährt in den Urlaub - doch womit? Auto, Bus, Bahn, Flugzeug: Vier Varianten, die sich in puncto Kosten, Bequemlich- und Umweltverträglichkeit deutlich unterscheiden. Mirko Heinemann verrät, wie sich die Familie entscheidet.

Vater: Also ich bin dafür mit dem Auto zu fahren.

Kind: Das dauert so lange.

Mutter: O nee, das ist so heiß. Da müssen wir über Nacht fahren.

Vater: Das Benzin kostet nur, was hab ich ausgerechnet, 300 Euro hin und zurück...

Mutter: Lass uns mit der Bahn fahren. Das ist doch viel ökologischer.

Da ist es wieder! Das Öko-Argument. Bei einer Berliner Kleinfamilie mit zwei Kindern, biologische Ernährung, aus dem Prenzlauer Berg, darf es natürlich nicht fehlen. Die Familie möchte gern in den Sommerferien in die Toskana reisen. Nicht nur billig, sondern natürlich auch möglichst umweltschonend. Ihre erste Option:

Die realen Kosten mit dem Auto belaufen sich auf 1300 Euro

Das Auto. Mit dem eigenen Auto wäre die Familie in 14 Stunden in San Miniato, einem kleinen Ort bei Florenz. Die Gesamtstrecke hin und zurück beträgt 2600 Kilometer. Laut Dekra-Berechnung stößt der VW-Golf der Berliner Familie 166 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Bei ihrer Reise wird die Familie also 430 Kilogramm CO2 freisetzen. Kosten für das Benzin: 300 Euro. Plus Vignette in Österreich und Autobahngebür in Italien.

"....plus Abnutzung, plus Reparatur, plus die Anschaffungskosten. Also diese Rechnung, dass man nur den Kilometerpreis plus den Mautpreis nimmt, das ist ein bisschen zu kurz gedacht."

Stefan Gelbhaar, Verkehrsexperte bei Bündnis 90/Die Grünen, mahnt an, realistisch zu rechnen. Bezieht man alle Kosten ein, wird die Reise laut ADAC-Berechnung auf einen Schlag viel teurer: 1.300 Euro. Die Familie plant um.

Mutter: Lasst uns doch mit dem Bus fahren!

Vater: Mit dem Fernbus?

Mutter: Du! 50 Euro!

Im Fernbus wäre die Familie 17 Stunden unterwegs

50 Euro? Aber nicht in den Sommerferien! Im Internet gibt es das Busticket für rund 75 Euro, 604 Euro hin und zurück. 17 Stunden wäre die Familie unterwegs. Und was sagt die Ökobilanz?

Fernbusse sind im Durchschnitt zu 60 Prozent ausgelastet. Sie stoßen pro Person und Kilometer 30 Gramm CO2 aus. Vier Personen würden damit bei einer Reise in die Toskana und zurück 312 Kilogramm des klimaschädlichen Gases freisetzen. Das wäre ein Viertel weniger als der vollbesetzte PKW.

"Bei einem vollbesetzten Bus versus einer vollbesetzten Bahn, da dürfte die Bahn gewinnen unter dem ökologischen Fußabdruckgedanken, wenn man dort mit einer Bahncard fährt. Da sagt ja die Bahn zu, dass das dann mit Ökostrom betrieben wird."

Ein Bahnreise verursacht mehr CO2 als das vollbesetzte Auto

Bei der Bahn stammen 40 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen. Zudem sind Fernverkehrszüge nur zu 48 Prozent ausgebucht. Daher rechnet das Bundesumweltministerium mit 50 Gramm CO2-Ausstoß pro Person und Kilometer. Fährt die vierköpfige Familie mit der Bahn in die Toskana, wird sie 520 Kilogramm CO2 freisetzen. Ein Viertel mehr als das vollbesetzte Auto. Und über ein Drittel mehr als der Fernbus.

Verkehrsexperte Stefan Gelbhaar ist trotzdem für die Bahn.

"Da hat man Bewegungsfreiheit, kann hin- und herlaufen. Da beginnt die Reise quasi mit dem Einstieg am Hauptbahnhof."

Leider ist die Bahn auch eines der teuersten Verkehrsmittel. Zwar bietet sie unter der Marke "Europa Spezial" günstige Tickets an. Doch das Kontingent ist wohl schon vergriffen. Das Gesamtpaket beläuft sich auf knapp 1000 Euro. Hin und zurück für alle.

"Natürlich kommt es einem relativ viel vor. Aber das ist ja auch eine Preisgewöhnung. Vor zehn, 15 Jahren haben wir für Flüge noch extrem viel Geld bezahlt."

Die Berliner Kleinfamilie ist hin- und hergerissen. Bisher scheint der Fernbus die beste Option. Jetzt wird das Kleinkind befragt.

Fliegen ist schnell und billig - und am schlechtesten für die Umwelt

Vater: Sollen wir mit dem Auto fahren, mit dem Flugzeug oder mit dem Zug?

Kleinkind: Mit dem Flugzeug.

Vater: Warum?

Kleinkind: Weil's viel schöner ist.

Und viel schneller. Und viel billiger. Die Flugzeit von Berlin nach Florenz beläuft sich mit Umstieg in München auf knapp drei Stunden. Der Kalkulator spuckt 808,56 Euro aus. Für alles.

"Fliegen ist zu billig. Nicht weil ich jemand sein Urlaubsvergnügen streitig machen will, sondern weil das Fliegen subventioniert ist."

Denn Flugbenzin ist steuerfrei. Auto und Bus zahlen 60 Prozent Steuern auf den Sprit, die Bahn entrichtet zwei Cent Stromsteuer pro Kilowattstunde. Fluggesellschaften zahlen nicht. Etwa, weil Flugzeuge besonders ökologisch sind?

Nein. Würde unsere Kleinfamilie mit dem Flugzeug von Berlin nach Florenz fliegen, würde sie dabei über zwei Tonnen CO2 ausstoßen. Das wäre vier mal so viel wie die Bahn, fünf Mal so viel wie das Auto und sechs mal so viel wie der Fernbus. Damit ist das Flugzeug von allen Verkehrsmitteln das umweltschädlichste.

Tochter: Lieber mit dem Flugzeug.

Mutter: Au ja, Flugzeug. Ich bin überzeugt.

Der grüne Verkehrsexperte schüttelt mit dem Kopf.

"Muss es wirklich Florenz sein oder ist Brandenburg nicht auch schön?"

Das Umland von Berlin ist ein guter Tipp - für das nächste Jahr. Jetzt aber reist die Berliner Kleinfamilie erst mal nach Florenz. Aus praktischen Gründen und ganz ausnahmsweise - mit dem Flugzeug!

Zeitfragen

Eine Kulturgeschichte des LichtsAu Revoir, Tristesse!
Lichtinstallation mit vielen Strahlern, die senkrechte Lichtsäulen formen.  (Getty Images / Joseph Okpako)

Ob Feuer, Kerze oder später die Glühbirne – eine Lichtquelle assoziiert der Mensch zunächst wohl immer mit Wärme, Geborgenheit und Leben. Nun in der dunklen Jahreszeit fällt dem Licht wieder eine ganz besondere Bedeutung zu.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur