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Studio 9 | Beitrag vom 31.01.2020

Vereinbarkeitsberater über VäterDer "Gute-Laune-Papa" ist weit verbreitet

Robert Frischbier im Gespräch mit Julius Stucke

Ein Mann hält ein Mädchen auf seinem Arm, beide lachen, im Hintergrund eine Wiese.  (Caroline Hernandez / Unsplash)
Die Mutter organisiert den Familienalltag, der Vater übernimmt das Wohlfühlprogramm in der Freizeit: Das sei weit verbreitet, sagt Robert Frischbier. (Caroline Hernandez / Unsplash)

Wie können Väter Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren? Robert Frischbier berät Eltern und Firmen zu Vereinbarkeit. Er sagt: Dass Familienarbeit so ungleich zwischen Männern und Frauen aufgeteilt ist, liege vor allem an den Vätern selbst.

Nur etwas mehr als jeder dritte Vater geht in Elternzeit, und oft bleibt es bei zwei Monaten. Woran das liegt, und wie Väter Familie und Beruf besser vereinbaren können, darüber wird beim zweiten Väter-Summit in Berlin diskutiert.

Das Problem liege nicht in erster Linie bei den Unternehmen, die es den Vätern schwer machen, sich stärker in der Familie einzubringen, sagt der Coach Robert Frischbier, sondern bei den Vätern selbst. Ein Grund aus seiner Sicht: "Es fehlt an Vorbildern."

Die Meinung der Anderen 

Frischbier berät Eltern und Unternehmen zur Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben. Der Wille der Väter, mehr Verantwortung in der Familie zu übernehmen, sei da, sagt der Coach. Aber viele hätten "so ein diffuses Gefühl: Ich will eigentlich mehr Vater sein, aber so richtig traue ich mich nicht. Oder: Was sagen die Kollegen?" Vielleicht sei man auch mit einem Weltbild traditioneller Rollenverteilung groß geworden und habe gar nicht das Vorstellungsvermögen, wie es anders sein könnte. 

Manchmal suggeriere allerdings tatsächlich das kollegiale Umfeld oder sogar ein Vorgesetzter, dass es schwierig werde für den Vater im Unternehmen, sagt Frischbier. Die Unternehmen würden jedoch eigentlich schon viele Angebote zur besseren Vereinbarkeit machen, wenn auch "bei Weitem noch nicht genug". Diese Angebote müssten aber auch angenommen werden.

Freizeitväter und Kümmermütter

Die Mutter als Familienmanagerin im Alltag, der Vater als "Gute-Laune-Papa" für Freizeitaktivitäten sei ein sehr weitverbreitetes Phänomen, sagt Coach Frischbier: "Die sogenannte Care-Arbeit bleibt dann überwiegend bei der Mutter." 

Um die Gleichberechtigung in der Familienarbeit zu schaffen, sei auch die Politik gefragt: Anträge, zum Beispiel für das Elterngeld, müssten leichter auszufüllen sein, das Informationsangebot müsse verbessert werden – und die Politik müsse Vorbilder hervorbringen: "Wo auch der Vater sich ganz konsequent um die Kinder kümmert, Elternzeit nimmt", so Frischbier.

Müttern, die sich eine ausgewogenere Aufteilung der Familienarbeit wünschen, rät Frischbier: "Ruhig auch die Erwartung haben an den Partner, dass er das machen soll. Und ihm dann auch zutrauen, dass er es auch machen kann."

(jfr)  

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