Seit 18:30 Uhr Hörspiel

Sonntag, 21.10.2018
 
Seit 18:30 Uhr Hörspiel

Interview | Beitrag vom 05.10.2018

VerbraucherschutzDer Kunde ist fast nie König

Klaus Müller im Gespräch mit Ute Welty

Beitrag hören Podcast abonnieren
Hinweisschild mit Aufschrift Verbraucherzentrale in Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen NRW, Deutschland Sign with Inscription Consumer headquarters in Dusseldorf North Rhine Westphalia NRW Germany (imago stock&people)
Betrogene Kunden sollten sich an den Verbraucherschutz wenden, rät Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherschutzzentrale Bundesverband. (imago stock&people)

Verbraucher fühlen sich oft gelackmeiert: Sind sie als Neukunden gewonnen, löst sich die Kundenfreundlichkeit mancher Unternehmen in Luft auf. Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherschutzzentralen rät, schwarze Schafe sofort zu melden.

Die gute Nachricht zuerst: Ab 1. November können Verbraucher ihre Rechte mit Hilfe einer Musterfeststellungsklage besser wahrnehmen: Im Kern ist dies eine Sammelklage, in der ein Verbraucherschutzverband gegen ein Unternehmen klagt, wenn es Recht bricht. Damit erübrigt sich die Klage als Einzelperson.

Gründe für Klagen gebe es genug: Knebelverträge von Mobilfunkanbietern, ständige Verspätungen und sonstiger schlechter Service bei der Bahn oder im Flugverkehr – bei gleichzeitig steigenden Ticketpreisen. Oder undurchsichtige und irreführende Deklarierungen von Inhaltsstoffen auf Lebensmitteln.

Es geht um wirtschaftlichen Schaden, nicht um die Kunden

Mangelnde Wertschätzung für den Verbraucher, der in vielen Branchen eigentlich noch nie wirklich "König Kunde" gewesen sei, sei ein sehr weit verbreitetes Phänomen, sagt Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Jüngstes Beispiel: Beim Luftverkehrsgipfel in Hamburg zur Vermeidung von Flugverspätungen haben die Beteiligten nicht etwa die Folgen für ihre Kunden im Blick, sondern nur die wirtschaftlichen Folgen für die Luftverkehrsunternehmen.

Für den ehemaligen Grünen-Politiker Müller ist das sehr bezeichnend – von Kundenfreundlichkeit "sind wir leider in vielen Märkten schlicht viel zu weit entfernt. Und das gilt nicht nur für manche Unternehmen, wenn sie schlechte, komplizierte oder zu teure Produkte anbieten. Nein, es gilt leider auch für den einen oder anderen Minister in dieser Bundesregierung."

Es geht vielen Unternehmen nur um Neukundenakquise

Besonders betroffene Märkte seien die der Finanz- und Gesundheitsprodukte oder die Telekommunikationsbranche – "wo es häufig um die Neukundenpflege und Neukundenakquise geht, aber nicht um die Bestandskundenpflege. Das heißt: Ich werde umworben, bis ich Kunde bin – und danach machen es mir ziemlich viele Unternehmen schwer, ein glücklicher Kunde zu sein", sagt Müller.

Durch einen hitzebedingten Böschungsbrand an der Schnellfahrtrasse bei Siegburg, der auf mehrere angrenzende Häuser übergriff, musste die Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Köln gesperrt und alle Züge umgeleitet werden. Die Anzeigetafel der DB Deutsche n Bahn im Hauptbahnhof Frankfurt zeigt noch am späten Abend zahlreiche, nennenswerte Verspätungen an, Hessen, Deutschland  (imago stock&people)Bahnkunden kennen das: Verspätung. Doch der Weg zur Entschädigung ist mitunter lang und kompliziert. (imago stock&people)

Ebenso schwierig seien verarbeitete Lebensmittel mit ellenlangen, kleingedruckten und oft schwer verständlichen Zutatenlisten. "Als Allergiker bin ich da häufig schlicht der Dumme, weil ich das alles durchlesen müsste."

Komplizierte Entschädigungsverfahren

Kritik übt Müller auch an Unternehmen, die ein hochkompliziertes Entschädigungsverfahren vorsehen, wenn Verbraucher ihre Rechte auf Reklamation wahrnehmen wollen. Beispiel Flugverspätung:

"Statt es mir sofort automatisiert zu überweisen, was ich an Verspätungsentschädigung zu bekommen habe, müssen sich Verbrauchen zu häufig mühsam durch Formulare durchkämpfen."

Die beste Möglichkeit, dagegen vorzugehen, sei es, solche schwarzen Schafe dem Verbraucherschutzverband zu melden.

(mkn)

Interview

BinnenschifffahrtDem Rhein geht das Wasser aus
Zwei Schiffe fahren bei Niedrigwasser über den Rhein, zu sehen sind auch Sandbänke, die aus dem Wasser ragen. (dpa / Rolf Vennenbernd)

Transportschiffe auf dem Rhein müssen ihre Ladungen inzwischen verringern. Die Binnenschifffahrt sei durch den Wassermangel noch nicht gefährdet, sagt Silke Rademacher von der Bundesanstalt für Gewässerkunde, aber: "Wir brauchen lang anhaltenden Regen."Mehr

Schmerz und SpracheWenn schon Worte weh tun
Kopfschmerzen sind schon bei jungen Menschen verbreitet. (dpa/picture alliance/Frank Rumpenhorst)

Im Umgang mit Patienten ist schon beim Gespräch über Schmerzen Vorsicht angebracht, sagt die Psychologin Maria Richter. Sie hat das Verhältnis zwischen Schmerz und Sprache untersucht und gibt Empfehlungen für Ärzte und Angehörige. Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur