Fehlende Entscheidungen in der Pandemie

    Wenn Politiker Verantwortungsmikado spielen

    07:02 Minuten
    Silhouette einer Frau die außerhalb einer Menschenmenge.
    Abwarten statt entscheiden: Politik sollte auch in der Pandemie von der Mehrheit bestimmt werden, meint die Journalistin Yasmine M'Barek. © imago/Ikon Images /Magictorch
    Yasmine M’Barek im Gespräch mit Korbinian Frenzel · 29.11.2021
    Audio herunterladen
    Die Politik drückt sich nach Ansicht der Journalistin Yasmine M’Barek in der Coronakrise um Entscheidungen – auch aus Angst vor der Minderheit der Unsicheren und Impfgegner. Das sei „paradox“.
    Täglich erreicht die Zahl der Corona-Neuinfektionen einen neuen Höchststand. Dennoch sind längst nicht alle Maßnahmen in Kraft, die nach Einschätzung vieler Experten und Expertinnen notwendig wären, um die vierte Welle zu brechen. „Man tut so, als würde es um ein Konsensprinzip gehen in der Entscheidungsfindung“, kritisiert auch die "Zeit-Online"-Redakteurin Yasmine M’Barek.
    Statt zu agieren, würden die Bundesländer „Verantwortungsmikado“ spielen, sich also gegenseitig die Verantwortung zuschieben. Dementsprechend passiere nichts: „Aber eine gewisse Ambiguität braucht man, weil das Konsensprinzip in der Pandemiebekämpfung nicht zwingend funktioniert“, so die Journalistin.

    "Eigentlich richtet sich Politik nach Mehrheiten"

    Neben Wahlkampfmotiven vermutet M‘Barek eine weitere Ursache für das unzureichende Handeln, die sie als „paradox“ bezeichnet: Impfgegnern und jenen, die sich nicht sicher seien, sei ein so großer Platz eingeräumt worden, dass sich die Politik „komplett“ danach gerichtet habe. „Eigentlich richtet sich Politik nach Mehrheiten“, betont M’Barek. Doch man habe „Angst“ vor dem Echo, das danach komme – „obwohl es die ganze Zeit ein Echo gibt, weil man keine anständigen politischen Entscheidungen trifft“.

    Das "Wischiwaschi" der vergangenen Monate

    Am meisten störe sie, dass es „durch dieses Wischiwaschi der letzten zwei Jahre“ keine politischen Maßnahmen gebe, die auf lange Zeit wirklich gut gewirkt hätten. So entstehe bei den Menschen das Gefühl, neue Maßnahmen würden wahrscheinlich sowieso nicht helfen, befürchtet die Journalistin.

    Yasmine M’Barek  (*1999) ist Redakteurin im Ressort X von Zeit Online. Bekannt wurde die Kölnerin mit ihrem Podcast „Auf einen Polittee mit Yasmine M'Barek“. Ihre Themen sind vor allem deutsche Innenpolitik und Wirtschaft. Das Medium Magazin wählte sie 2020 zu den "Top 30 bis 30" im Journalismus.  

    Mehr zum Thema