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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 23.03.2016

Vanuatu und der KlimawandelKleiner Inselstaat - große Probleme

Von Udo Schmidt

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Menschen stehen in einem zerstörten Haus in Vanuatu. (picture alliance/dpa/Dave Hunt)
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung Vanuatus ist nach UNO-Angaben von den Auswirkungen des Wirbelsturms "Pam" betroffen (picture alliance/dpa/Dave Hunt)

Stürme sind im Inselstaat Vanuatu normal. Nicht aber der Monster-Zyklon des vergangenen Jahres. Er macht deutlich: Im Südpazifik sind die Folgen des Klimawandels besonders drastisch zu spüren.

Die kleine Primary School am Rand des Örtchens Tanoliu auf Efate, der Hauptinsel Vanuatus. Eine Landkarte der Zyklone ist auf die Wand eines Schulgebäudes gemalt, sie soll an die Gefahren der heftigen Stürme erinnern, die immer wieder Van-uatu heimsuchen.

Iman Karei ist der Direktor der kleinen Schule. Mit Hilfe der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit ist hier ein kleiner Nutzgarten entstanden und ein zentraler Wassertank aufgebaut worden. So sei man für kommende Stürme besser gewap-pnet, sagt der Schuldirektor:

"Wenn ich mit meinen Schülern rede, dann erkläre ich ihnen, dass Stürme hier ganz normal sind, aber dass der letzte Monster-Zyklon im vergangenen Jahr ohne Zweifel eine Folge des Klimawandels ist, an dem die Menschen Schuld sind. Ich versuche, meinen Schülern ein differenziertes Bild zu vermitteln."

Das Wetter verändert sich, der Meersspiegel steigt

Der Präsident von Vanuatu, Baldwin Lonsdale ist ein sehr ruhiger, besonnener Mann. Beim Thema Klimawandel, wenn es um die Existenz seines kleinen Pazifik-staates mit gerade einmal 260.000 Einwohnern geht, wird Präsident Lonsdale allerdings leidenschaftlich. 

Lonsdale: "Der Klimawandel ist ein großes Problem, die Wetterlagen haben sich verändert, der Meeresspiegel steigt, es gibt immer mehr Regen, der Klimawandel betrifft besonders Vanuatu."

Heftigste Stürme, endlose Regenfälle, gefolgt von auszehrender Trockenheit, für Morgan Wairiu, Klimaforscher an der Universität des Südpazifiks auf Fiji ist das alles keine Überraschung. Morgan hat diese Entwicklung erwartet und vorhergesehen – es sind die Folgen des Klimawandels.

Morgan: "Für die Menschen im Pazifik heißt das vor allem, dass das Wetter sich ändert. Wir haben mehr Kategorie Fünf Zyklone, die vieles zerstören, Leben und Besitz, es gibt mehr heiße Tage, wir beobachten heftigen Regen, dann wieder gibt es Dürreperioden. Und die Menschen sagen, früher war das nicht so, das sind wir nicht gewohnt."

Die Atolle haben kaum noch Zukunft

Besonders schlimm, sagt Morgan, trifft es die kleinen flachen Atolle im Südpazifik, die nur wenige Meter aus dem Wasser ragen. Diese Atolle, kleine unabhängige Republiken wie Tuvalu und Kiribati, haben kaum noch Zukunft:

"Das sind sehr schmale Atolle, sie erleben jetzt Sturmfluten und Küstenerosion, die Häuser und Felder werden überflutet. Dann gab es auf Tuvalu plötzlich eine lange Trockenzeit, so dass das Wasser ausgegangen ist: Dort ist man sehr besorgt wegen des Klimawandels und muss mit den Aus-wirkungen leben."

Morgan Wairiu und sein Team haben eine Computersimulation erdacht, mit der der Klimawandel in seinen Ausmaßen prognostizieren werden soll, soweit das möglich ist. Diese Simulation kann, wenn die Annahmen und Eingaben exakt sind, die kommenden Auswirkungen vorhersagen, verhindern kann es sie nicht.

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