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Fazit | Beitrag vom 26.10.2020

Vandalismus gegen KunstwerkeNachhaltiger Schaden für Museen

Franciska Zólyom im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Eine großflächig beschmierte Granitschale auf der Berliner Museumsinsel. (Picture Alliance / dpa / Jörg Carstensen)
Auch gegen die Granitschale auf der Berliner Museumsinsel richten sich jüngste Angriffe. (Picture Alliance / dpa / Jörg Carstensen)

Schwindet der Respekt gegenüber Kunst? Dies mutmaßte Hermann Parzinger, Vorsitzender der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Kunsthistorikerin Franciska Zólyom sieht die jüngsten Anschläge im Zusammenhang gesellschaftlicher Zuspitzungen.

Der Respekt vor jahrhundertealten Kunstwerken scheine zu schwinden, sagte Hermann Parzinger, Vorsitzender der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, angesichts erneuter Anschläge auf Kunstwerke in Berlin. Die Museen würden nicht mehr sein, was sie mal waren, wenn der gesellschaftliche Konsens zum Schutz von Kunst und Kultur aufgekündigt werde.

Symbolträchtige Orte werden zur Zielscheibe

Die Kunsthistorikerin Franciska Zólyom, Direktorin der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig, erkennt in dieser Aussage den Wunsch, dass Museen Orte der Begegnung bleiben können:

"Wenn aber der Eindruck entsteht, dass Museen zunehmend Zielscheibe von Angriffen werden, dann wird diese Öffnung der Museen, die in den letzten Jahren vollzogen wurde, wieder rückgängig gemacht. Das wäre nachhaltig schädlich für den gesellschaftlichen Stellenwert von Museen."

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Ein Hintergrund der Attacken könne sein, dass die Orte der Anschläge als sehr symbolträchtig und sehr wertvoll wahrgenommen würden. Man dürfe nicht vergessen, dass es sich dabei um staatliche Sammlungen gehandelt habe. In Museen für Zeitgenössische Kunst gebe es dagegen viel mehr Nähe zu gegenwärtigen Fragen.

Anschläge als Ausdruck herrschender Tendenzen

"Oftmals geht es dort weniger darum, ein Werk oder einen Kanon in den Mittelpunkt zu stellen, sondern vielmehr darum, Prozesse oder Akteure zu zeigen, die Kunst und Kultur hervorbringen und mit ihnen und ihren unterschiedlichen Ideen ins Gespräch zu kommen. Vielleicht entlädt sich die Wut oder die Zerstörungslust eher an Orten, wo ältere Kunst zu sehen ist, die symbolisch viel stärker aufgeladen ist." 

Die vergangenen Monate hätten gezeigt, dass es viele unterschiedliche Vorstellungen davon gebe, wie Welt und Gesellschaft organisiert seien. Es gebe Behauptungen, die bei den einen Interesse und Zustimmung fänden und bei anderen nur Kopfschütteln auslösen würden. Es gebe eine Mobilisierung für Ideen, die zerstörerisch seien. Orte des öffentlichen und staatlichen Kulturbesitzes bilden für diese geradezu prädestinierte Ziele.

(rja)

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