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Fazit | Beitrag vom 04.09.2019

"Utopie und Untergang. Kunst in der DDR" in DüsseldorfAm eigenen Anspruch gescheitert

Carsten Probst im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Das Bild "Seltsamer Zwischenfall" des Künstlers Wolfgang Mattheuer ist in der Ausstellung "Utopie und Untergang. Kunst in der DDR" hinter seiner Bronzefigur "Gesichtzeigen" zu sehen. (picture alliance/Rolf Vennenbernd/dpa)
Geht nicht über das Bekannte hinaus, meint unser Kritiker: Das Bild "Seltsamer Zwischenfall" von Wolfgang Mattheuer hinter seiner Bronzefigur "Gesichtzeigen". (picture alliance/Rolf Vennenbernd/dpa)

Den Blick auf die Kunst der DDR neu ausrichten - das will die Ausstellung "Utopie und Untergang" in Düsseldorf. Das sei aber nicht gelungen, meint unser Kunstkritiker Carsten Probst. Der Beitrag der Kunst zur Gegenwart sei nicht zu sehen.

Gleich am Anfang der Ausstellung "Utopie und Untergang" in Düsseldorf sei ein Wandtext zu sehen, auf dem verkündet werde, dass man nicht die Historisierung der DDR-Kunst fortsetzen wolle, berichtet Kunstkritiker Carsten Probst. Im Gegenteil solle die Schau zeigen, dass diese Kunst auch heute noch rezipiert werden könne und aktuell sei.

Lauter bekannte Positionen

Gelungen sei das nicht, meint Probst: "Wenn Sie durch die Säle streifen, dann merken Sie: 'Es sind lauter bekannte Positionen'".  Wolfgang Mattheuer, Bernhard Heisig, Gerhard Altenbourg, der expressiv-abstrakte Michael Morgner oder A. R Penck - die Ausstellung möchte zwar den Blick auf die DDR-Kunst neu ausrichten, aber trägt selber gar nichts dazu bei, so Probst.

Ein Gemälde des Künstlers Bernhard Heisig zeigt den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt. Zu sehen ist es in der Ausstellung "Utopie und Untergang. Kunst in der DDR". (picture alliance/Rolf Vennenbernd/dpa)Bernhard Heisigs Porträt von Helmut Schmidt: Die Ausstellung bediene den westdeutschen Blick, meint unser Kritiker. (picture alliance/Rolf Vennenbernd/dpa)

Der Direktor der Ausstellung, Felix Krämer, beklage zwar das Desinteresse an dieser Kunst, würde aber auf der anderen Seite auch wieder nur den westdeutschen Blick bedienen, meint Probst. Unterschiedlich sei nur der Ton: "Dass man jetzt im Ton der Demut davon spricht, dass man zu wenig weiß. Nicht mehr diese Überlegenheit eines freiheitlichen Kunstbetriebes vor sich herträgt", sagt der Kritiker.

Gewollt und nicht gekonnt

Die Ausstellung sei also an ihrem eigenen Anspruch gescheitert, so Probst, aber das sei auch nicht überraschend. Es fehle zu viel an Vorleistung, zu wenig sei bekannt über die Biographien der DDR-Künstler. "Diese Ausstellung versucht nun zu sagen, wir geben jetzt mal einen kleinen Denkanstoß - schaut euch doch über das Bekannte hinaus die vielen anderen Künstler an", sagt Carsten Probst.

Das sei allerdings bei der Ausstellung "Point of No Return" in Leipzig besser gelungen, meint Probst. Allgemein müsse dem kunstgeschichtlichen Betrieb eine gewisse Geschichtsvergessenheit vorgeworfen werden, sagt Probst, so dass nach der Wende viele DDR-Künstler in der Versenkung verschwanden.

Nur das Bekannte reicht nicht

Auch der Ausstellung in Düsseldorf sei anzumerken, dass sie sich das Wissen über DDR-Kunst erst erarbeiten musste. "Sie haben zwei Jahre intensiv Ostdeutschland bereist und sie haben Expertenmeinungen eingeholt, sie haben mit Künstlern gesprochen. Sie haben also alles das getan, was man normalerweise im Westen in einem normalen Zusammenhang von Kunst eben so tut - aber das reicht eben nicht, nur auf das Bekannte zurückzugreifen", meint Carsten Probst.

(beb)

"Utopie und Untergang. Kunst in der DDR"
Kunstpalast Düsseldorf
5.9.2019-26.1.2020

 

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