US-Waffengesetze

Wo Freiheit bedeutet, eine Waffe tragen zu dürfen

10:49 Minuten
Eine Mann steht in einem US-Waffengeschäft hinter der Kasse. An der Wand hängen Dutzende Gewehre.
Das Recht, eine Waffe zu tragen, ist in den USA durch die Verfassung geschützt. © picture alliance / dpa / Jeff Roberson
Michael Hochgeschwender im Gespräch mit Axel Rahmlow  · 25.05.2022
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Nach dem Amoklauf in Texas mit 19 toten Kindern fordern viele in den USA schärfere Waffengesetze. Der US-Experte Michael Hochgeschwender ist skeptisch, dass dies schnell zum Erfolg führen würde.
Der US-Experte Michael Hochgeschwender glaubt, dass eine Verschärfung der Waffengesetze in den USA nicht ohne Weiteres zum Erfolg führen würde. Zwar sei wohl letztlich eine Mehrheit der Amerikaner für strengere Gesetze. Es seien bereits mehr 300 Millionen Feuerwaffen in den USA im Umlauf, und es sei davon auszugehen, dass Bürger Waffen horten würden, bevor ein solches Gesetz in Kraft treten würde.

Der Einfluss der Medien

Michael Hochgeschwender, Professor am Amerika-Institut der Universität München, sieht verschiedene Ursachen dafür, dass viele Amerikaner auf ihrem Recht bestehen, eine Waffe tragen zu dürfen. Es gebe ganz reale Bedrohungen, gerade in amerikanischen Innenstädten durch Gangs. Aber auch eine Kultur, in der gewaltsame Lösungen in den Medien, in Fernseh- und Kinofilmen immer wieder als Lösungsmechanismus propagiert würden.

Misstrauen gegenüber dem Staat

Eine spezifische Ausprägung des US-amerikanischen Freiheitsbegriff spielt nach Ansicht Hochgeschwenders ebenfalls eine wichtige Rolle. Freiheit bedeute demnach auch Verantwortung für sich selbst, die eigene Familie und deren Sicherheit zu übernehmen. Laut Hochgeschwender steckt dahinter ein „ziemlich ausgeprägtes Misstrauen gegenüber dem Staat und seiner Fähigkeit, diese Sicherheit herzustellen“. Gerade in rechtskonservativen Kreisen werde in den USA dem Staat im Gegenteil permanent unterstellt, die Freiheit der Bürger einschränken zu wollen.
Amoklauf in Texas - Wann kippt der amerikanische Waffenwahn?
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Liberale Amerikaner, vor allem aus einem großstädtischen Umfeld, würden dagegen eher sagen: ‚Was schadet es meiner Freiheit, wenn ich bestimmte Verantwortlichkeiten an den Staat oder an Versicherungen delegiere?‘

40 Meilen bis zur nächsten Polizeistation

Die Befürworter eines möglichst freizügigen Waffenbesitzes leben laut Hochgeschwender vor allem auf dem flachen Land. „Das heißt, das sind Personen, die keine Angst vor Gangs haben müssen, wo aber die nächste Polizeistation dann oft auch zum Teil 10, 20, 40 Meilen entfernt ist.“ Auch gehöre es in diesen Gebieten, vor allem im Süden und dem Mittleren Westen, zur Kultur, etwa jagen zu gehen. Hochgeschwender: „Das heißt, das hat nicht nur etwas mit Parteipolitik zu tun, sondern im Hintergrund stehen unterschiedliche Kulturen und unterschiedliche Lebensstile.“  
Der Experte betont, dass auch die Menschen auf dem Land „natürlich traurig, entsetzt und erschüttert“ über das seien, was bei diesen Attentaten passiere. „Aber trotzdem ist in ihren Augen immer wichtiger zu sagen, dass die persönliche Freiheit des Waffenbesitzes nicht eingeschränkt werden darf.“
(tmk)

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