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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 21.08.2020

US-Demokraten nominieren Joe BidenSelbst ernannter Kämpfer gegen die Dunkelheit

Ulrich Khuon im Gespräch mit Korbinian Frenzel

Screenshot: Der Präsidentschaftskandidat und ehemalige US-Vizepräsident Joe Biden als Screenshot, während seiner Rede vor der virtuellen Democratic National Convention am 20. August. (Getty Images / NurPhoto / David Cliff)
Joe Biden während der digital abgehaltenen Democratic National Convention. (Getty Images / NurPhoto / David Cliff)

Joe Biden hat sich mit einer großen, pathetischen Rede um das Amt des US-Präsidenten beworben. Der Theaterintendant Ulrich Khuon charakterisiert sie als "fast messianisch" und bedeutend.

Joe Biden ist da. Hatte der frisch gebackene Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten in den vergangenen Wochen bisweilen Probleme, mit seinen Themen durchzudringen, hat er sich jetzt als jemand auf dem Parteitag präsentiert, der reden, sprechen und verkünden kann. Kämpferisch rechnete er mit Donald Trump ab. "Der derzeitige Präsident hat Amerika viel zu lange in Dunkelheit gehüllt", sagte Biden. "Es gibt zu viel Wut, zu viel Angst, zu viel Spaltung." Doch gemeinsam könnten und würden die Amerikaner "diese dunkle Stunde überwinden".

Die Rede habe Poesie gehabt und sei "fast messianisch" gewesen, sagt der Intendant des Deutschen Theaters, Ulrich Khuon. Biden habe sich in Höhen geschwungen, die in der politischen Tradition der USA wichtig seien - "vielleicht muss man so große Metaphern auch wählen, um Menschen zu bewegen und um deutlich zu machen, in welcher Zeit sie leben."

Ohne Brimborium sehr wirksam

Trump habe die letzten Jahre radikal polarisiert, die daraus entstandene Spaltung des Landes sei durchaus "Dunkelheit". Insofern habe Biden die richtigen Metaphern gewählt. Wenn man sich die Geschichte und die Gründung Amerikas anschaue, sei es richtig, eine große Botschaft zu versenden, so Khuon. Biden habe eine bedeutende Rede gehalten, "weil sie ohne Brimborium sehr wirksam war".

Joe Biden setzt nun auf Versöhnung. Kann er damit Erfolg haben, wo doch schon Barack Obama an der Aufgabe scheiterte, das Land zu vereinen? Obama sei vielleicht überfordert gewesen und an den eigenen Ansprüchen und den Hoffnungen vieler Menschen gescheitert, meint Khuon. Inzwischen seien die USA ein "völlig zerrissenes Land". Für diesen Zustand brauche Biden eine Botschaft und ein Ziel - und das dürfe ruhig auch größer sein, als er es einlösen könne.

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"Dass man immer hinter dem Ziel zurück bleibt, ist eine Grunderfahrung von uns allen", betont der Theatermacher. Deswegen sei es auch gut, nicht immer eine Riesen-Klappe zu haben: "Aber in dieser Situation und gegen die Riesen-Klappe von Trump einen Anspruch zu stellen, ist sicher gut."

(ahe)

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