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Interview / Archiv | Beitrag vom 04.02.2017

Uraufführung in Düsseldorf: "Willkommen"Stresstest für die Willkommenskultur

Lutz Hübner im Gespräch mit Ute Welty

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Lutz Hübner und Sarah Nemitz am 18.01.2017 im Badischen Staatstheater Karlsruhe (picture alliance / Uli Deck/dpa)
Lutz Hübner und Sarah Nemitz am 18.01.2017 im Badischen Staatstheater Karlsruhe (picture alliance / Uli Deck/dpa)

In Lutz Hübners und Sarah Nemitz' Stück "Willkommen" kündigt ein WG-Bewohner an, sein Zimmer für ein Jahr an Flüchtlinge zu vermieten. Das löst unter den Mitbewohnern Konflikte aus - und unterzieht die Willkommenskultur einem Praxistext.

In der Theorie finden die meisten Willkommenskultur gut. Doch was ist, wenn sie plötzlich innerhalb der eigenen vier Wänder praktiziert werden soll, weil ein WG-Bewohner sein Zimmer an Flüchtlinge vermieten will? Die Konflikte und Diskussionen, die daraus resultieren, sind Gegenstand von Lutz Hübners und Sarah Nemitz' "Willkommen", das am Samstag in Düsseldorf unter der Regie von Sönke Wortmann uraufgeführt wird.

"Eigentlich ist die Headline: not in my backyard"

Es gehe ihm bei dem Stück nicht darum, die Willkommenskultur zu demontieren, betonte Lutz Hübner im Deutschlandradio Kultur. Sondern darum, dass die unterschiedlichen Standpunkte zum Thema einmal auf den Tisch kämen. Wie unterschiedlich diese Positionen seien, werde durch die Ankündigung, an Flüchtlinge zu vermieten, erst deutlich.

"Wobei man sagen kann, dass so die Headline eigentlich ist: not in my backyard, wie man in Amerika sagt", so der Theaterautor. "Das heißt, draußen macht man sehr viel, ist engagiert, aber die Vorstellung, dass das plötzlich in den eigenen vier Wänden passiert, löst natürlich dann doch etwas andere Reaktionen aus als die Theorie, die man dazu hat."

Wie geht man damit um, wenn alle Recht haben?

Eine Lösung für das Problem gebe es weder im Stück noch der Wirklichkeit, sagte Hübner. Vielmehr sei jede Figur in sich zerrissen genauso wie die Gesamt-WG. "Das ist eigentlich das, was wir dem Publikum auch präsentieren wollen, dass man einfach mal sagt: ok, was ist, wenn eigentlich alle Figuren Recht haben? Wie geht man damit um?"

"Willkommen" - Düsseldorfer Schauspielhaus

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