Unternehmerin Nina Hugendubel

"Buchhändler sind in allererster Linie Gastgeber"

29:42 Minuten
Illustration: Bücherregale in einem geöffneten Buch mit einem Miniaturmenschen davor, der eines auswählt.
Schier unbegrenztes Angebot: Um den Überblick zu behalten, brauchen wir Buchhändler © Getty Images / Science Photo Library
Moderation: Annette Riedel · 11.12.2021
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Der Buchladen lebt, sagt Nina Hugendubel – trotz Herausforderungen: Lockdowns, sterbende Innenstädte, Konkurrenz durch den Online-Handel. Buchhändler sind durch Algorithmen nicht zu ersetzen. Beratungskompetenz und Kreativität binden weiter Kunden.
Buchhändler müssen "Gastgeber" sein. Sie müssen Bücher lieben und sie müssen den Kontakt zu Menschen lieben. Davon ist die Co-Geschäftsführerin der familieneigenen Buchhandelskette Hugendubel, Nina Hugendubel, überzeugt. Bücher und das Lesen werden die Konkurrenz von Internet und Podcasts aushalten können - und müssen. Der Buchladen als Ort von Empfehlung, Begegnung und Kommunikation behalte auch bei wachsenden Verlagerungen in Richtung Online-Buchhandel seine Bedeutung.

"Egal, was man liest – Hauptsache, man liest"

Man müsse alle Altersgruppen mit dem Buch ansprechen, glaubt die Unternehmerin. Deshalb sei es wichtig, dass Buchhändler nicht nur literarische Werke in ihren Läden anböten, sondern etwa auch Comics und Mangas. In der Konkurrenz zum wachsenden Online-Handel nehme außerdem die Bedeutung von Veranstaltungen rund um das Buch zu – seien es Lesungen, Koch- oder Yoga-Kurse.
So könne man "Bücher zugänglich machen und zum Leben zu erwecken". Der Kreativität seien da keine Grenzen gesetzt. Gerade die kleinen Buchhandlungen hätten viele Möglichkeiten, die sie auch zunehmend nutzten. Das hänge nicht von der Größe der Läden ab. "Es ist eher die Frage, welche Ideen man hat, um Inhalte lebendig zu machen."

Die Innenstädte werden zurückkommen

Nina Hugendubel und ihr Mit-Geschäftsführer und Bruder Maximilian Hugendubel sind überzeugt: Die Innenstädte werden sich wieder beleben und eine "Renaissance erfahren". Leerstände könnten auch eine Chance sein, alternative Konzepte zu finden. Es seien Ideen für eine "neue Mischung" von Wohnen, Gastronomie und Handel gefragt, um die Innenstädte wieder attraktiv zu machen. Günstigere Mieten könnten dabei eine wichtige Rolle spielen.
In ihrem Unternehmen sei man jedenfalls überzeugt, dass es nach wie vor von Bedeutung sei, mit Filialen vor Ort präsent zu sein, auch wenn die Umsätze dort – anders als beim Online-Handel – stagnierten. Es gehe um eine "Mischung aus Online und lokaler Präsenz". Der Schlüssel zum Erfolg sei die Vernetzung.

Weihnachtsgeschäft in der Pandemie ist "Riesenherausforderung"

Das Weihnachts-Geschäft – das wichtigste des Jahres – unter Bedingungen der Pandemie sei für den Handel insgesamt "keine ganz einfache Situation". Aber die Pandemie habe auch "positive Nebeneffekte" für die Unternehmensentwicklung. Pläne für mehr Präsenz in den sozialen Medien und für digitale Veranstaltungsformate seien durch Lockdowns und Kontaktbeschränkungen "beschleunigt" worden.
Ein Problem sei allerdings die "Kostenlosmentalität", die im Netz vorherrsche. Auch bei digitalem Lesen müsse gelten, dass es ein "auskömmliches Zusammenspiel" von Händlern, Verlagen und etwa auch Bibliotheken gäbe. Das müsse so organisiert werden, "dass alle davon leben können". Dazu gehöre auch, "dass für Inhalte bezahlt werden muss."

Nina Hugendubel führt seit 2003, gemeinsam mit ihrem Bruder Maximilian, das Familienunternehmen Hugendubel. Sie ist die Ur-, Urenkelin des Firmengründers Heinrich Karl Gustav. Bevor sie 2001 am Hauptsitz München Marketingleiterin der familieneigenen Buchhandelskette wurde, war sie bei Time Warner in New York und Holtzbrinck in München und Stuttgart beschäftigt. Nach dem Abitur hatte Nina Hugendubel eine Buchhändlerlehre abgeschlossen. Anschließend studierte sie in Paris, Passau und Berlin Politik, Philosophie und Wirtschaft.

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