Dienstag, 17.09.2019
 

Im Gespräch | Beitrag vom 21.08.2019

Unternehmensberater Reinhard K. Sprenger„Feedback ist eine gigantische Konformitäts-Maschine“

Moderation: Susanne Führer

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Der Unternehmensberater Reinhard K. Sprenger (DVA)
Ein Unternehmen hätte keinen Erziehungsauftrag, sagt Reinhard K. Sprenger. (DVA)

Gute Manager, schlechte Manager? Für den Berater Reinhard K. Sprenger gibt es nur erfolgreiche oder erfolglose Manager. Der Hype um die „soft skills“ führe häufig zu einer Entmündigung der Mitarbeiter.

Zielvereinbarungsgespräche nennt der Unternehmensberater Reinhard K. Sprenger "betreutes Arbeiten". Was in Unternehmen unter Feedback laufe, sei "eine gigantische Konformitätsmaschine. Man versucht, die Menschen anzupassen." Doch Unternehmen hätten weder einen Erziehungsauftrag noch einen Therapievertrag. "Wir haben einen Kooperationsvertrag zwischen Erwachsenen!"

Sprenger will nicht alte autoritäre Zeiten zurück, Klarheit und Kooperation seien wichtig. Und: "Eine gute Führungskraft, wenn sie erfolgreich sein will, hat letztlich Vertrauen in die Selbstorganisation der Mitarbeiter", das heißt Vertrauen darin, dass die Mitarbeiter über die Ressourcen zur Lösung von Problemen verfügen. 

Prämien sind der falsche Weg

Viele Unternehmen versuchen, ihre Mitarbeiter über Geldprämien oder andere Belohnungen zu motivieren. Reinhard K. Sprenger hält das für den falschen Weg, kurzfristig erziele man damit Erfolg, langfristig aber nehme man Schaden:

"Man muss das Reizniveau immer höher schrauben, um die gleiche Leistung zu erzielen. Man erzeugt im Unternehmen eine Belohnungssucht, die fast in eine Drogenszene ausarten kann. Das Kooperationsniveau leidet, weil die Mitarbeiter ja miteinander im Wettbewerb stehen. Und – wenn Sie Kinder haben, ganz wichtig – je mehr man versucht, Motivation von außen zu erzeugen, desto mehr werden einfache, kurzfristig lösbare und quantitative Aufgaben bevorzugt, und alles was langfristig, etwas kreativer, komplizierter ist, wird vernachlässigt. Und das kann sich heute kein Unternehmen mehr erlauben."

Natürlich sei Motivation wichtig, aber sie könne nicht von außen erzeugt werden. Die innere Bindung an eine Aufgabe, an eine Arbeit sei für alle entscheidend, nicht nur für Manager oder andere Führungskräfte. "Wenn ich mich an meine Studienzeiten erinnere, wo ich am Fließband bei Opel gearbeitet hab, da haben die Menschen eine Verpflichtung für ihre Aufgabe empfunden, die ich häufig später im Topmanagement nicht erlebt habe."

"Die Entscheidung liegt bei dir!"

Sprenger hat mehrere Bücher geschrieben, am meisten am Herzen liegt ihm "Die Entscheidung liegt bei dir! Wege aus der alltäglichen Unzufriedenheit", ein Buch, "das viele Ehen gerettet hat", sagt Sprenger. Zentral für ihn ist die Vorstellung vom erwachsenen, eigenverantwortlich handelnden Menschen. Wir hätten zwar nicht dieselben Startbedingungen im Leben, aber wir alle seien verantwortlich für unser Leben bzw. was wir daraus machen.

"Wir glauben, Opfer der Verhältnisse zu sein, in Wirklichkeit sind sie Konsequenzen unserer Entscheidungen, und wir können sie immer wieder neu wählen. Und das ist eine Perspektive, von der ich glaube, dass man sie als Befreiung erleben kann. – Aber wenn die Menschen mehr Vorteile darin sehen, sich als Opfer der Umstände zu sehen, dann kann ich ihnen letztlich nicht helfen, das stimmt."

Sie hören eine Wiederholung vom 19. Juli 2018.

(sf)

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