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Im Gespräch | Beitrag vom 23.02.2019

Unsichere Zeiten Droht ein neues Wettrüsten?

Moderation: Katrin Heise

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Berlin, Anfang Februar 2019: Demonstranten mit einer Putin und Trump-Maske stehen sich mit Raketen-Modellen auf dem Pariser Platz gegenüber. Sie protestieren mit der Aktion gegen das drohende Aus des INF-Abrüstungsabkommen zwischen Russland und den USA. (picture alliance/Paul Zinken/dpa)
Protest Anfang Februar in Berlin gegen das drohende Aus des INF-Abrüstungsabkommen zwischen Russland und den USA. (picture alliance/Paul Zinken/dpa)

Die Präsidenten der USA und Russlands kündigen den Atom-Abrüstungsvertrag. Der Nationalismus ist auf dem Vormarsch, auch in der EU. Die alte Weltordnung zerfällt. Droht ein neues Wettrüsten? Mit Claudia Major von der Stiftung Wissenschaft und Politik und Marcus Pindur vom Deutschlandfunk.

"Die bisherigen Bausteine unserer Sicherheit scheinen zu zerbröseln", sagt Marcus Pindur, Deutschlandfunk-Korrespondent für Sicherheitspolitik. "Putin führt mitten in Europa einen Krieg, provoziert durch Scheinangriffe auf Schiffe der Nato in der Ostsee und führt einen Cyber-Krieg gegen die westlichen Demokratien. Gleichzeitig stationiert er ohne Not neue atomar bestückbare Mittelstreckenwaffen in Reichweite sämtlicher europäischer Hauptstädte."

US-Präsident Trump wiederum stelle bisher sicher geglaubte Beistandsgarantien in Frage. "Im Trump'schen America-First-Universum spielt Europa kaum noch eine Rolle – aber Europa ist nicht in der Lage, seine Sicherheit ohne die USA zu organisieren." Und Europa? Die Flüchtlingspolitik und die umstrittene Nord Stream-Pipeline spalten das Bündnis, Großbritannien geht eigene Wege.

"Immer mehr Staaten besitzen Atomwaffen"

Unsichere Zeiten – und doch ist es hierzulande bemerkenswert ruhig; keine Protestmärsche wie zu Zeiten des Nato-Doppelbeschlusses Anfang der 80er Jahre, als Hundertausende auf die Straße gingen gegen die atomare Aufrüstung.  

Haben wir uns zu sehr an den Frieden gewöhnt?

"Ich glaube in der Tat, dass wir uns an den Frieden gewöhnt haben. Aber wir haben auch andere Bedrohungsszenarien als damals", sagt Claudia Major, Expertin für Verteidigungs-und Sicherheitspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik. "Immer mehr Staaten besitzen Atomwaffen oder sind auf dem Weg dahin. Dabei geht es nicht allen Staaten nur um klassische Abschreckung. Einige setzen auf das Erpressungspotenzial. Traditionelle Rüstungskontrollregime verlieren an Bedeutung."

Deutschland könne sich nicht mehr in die Rolle eines "Trittbrettfahrers" zurückziehen und müsse aktiver werden in der eigenen Verteidigung. "Wenn wir Europa stärken wollen, müssen wir daheim unsere Hausaufgaben machen."

Unsichere Zeiten – Droht ein neues Wettrüsten?
Darüber diskutiert Katrin Heise heute von 9.05 bis 11 Uhr mit Claudia Major und Marcus Pindur. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

Informationen im Internet:
Über Dr. Claudia Major

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