Seit 18:30 Uhr Hörspiel
Sonntag, 17.10.2021
 
Seit 18:30 Uhr Hörspiel

Interview / Archiv | Beitrag vom 29.04.2015

Unruhen in BaltimoreSchwere Versäumnisse der US-Kommunen

Boris Vormann im Gespräch mit Christopher Ricke und Anke Schäfer

Jugendliche in Baltimore attackieren am 25.  April 2015 einen Polizeiwagen. (imago stock&people)
Bürger in Aufruhr: Jugendliche in Baltimore attackieren einen Polizeiwagen. (imago stock&people)

Die US-Stadt Baltimore kommt nicht zur Ruhe, Krawalle und Polizeieinsätze bestimmen das Bild. Der Tod eines jungen Schwarzen versetzt die Bürger in Aufruhr. Für den Politologen Boris Vormann sind schwere Versäumnisse der Kommunen die Ursache: Diese hätten über Jahrzehnte nur äußerlich am Image ihrer Städte poliert.

Die US-Stadt Baltimore ist in Aufruhr. Es gibt weiterhin Krawalle und Polizeieinsätze nach dem Tod des jungen Schwarzen, der an einer Wirbelsäulenverletzung gestorben ist, nachdem Polizisten ihn verhaftet und in Gewahrsam genommen hatten. Die Trauer um diesen Mann ist in heftige gewaltsame Ausschreitungen umgeschlagen: Es gab Plünderungen, und trotz des nächtlichen Ausgehverbots haben sich die Unruhen auch in der zweiten Nacht fortgesetzt.

Baltimore habe eine lange Geschichte der Polizeigewalt und der Korruption, sagt dazu der Berliner Politikwissenschaftler Boris Vormann. Die auch in Deutschland sehr beliebte US-Fernsehserie "The Wire" gebe ein realistisches Bild der Ostküsten-Großstadt wieder.

Das post-rassistische Zeitalter ist eine Illusion

Nach der Wahl von Barack Obama zum US-Präsidenten hätten viele Amerikaner und auch Europäer sich der Illusion hingegeben, die Verhältnisse würden sich ändern: "Da hat man auch gemutmaßt, dass es nun vielleicht ein postrassistisches Zeitalter geben könnte, dass das nun anbrechen würde. Auch das ist nicht passiert. Das liegt natürlich genau an den strukturellen Gründen", sagte Vormann, der sich an der Freien Universität auf das Fachgebiet Urban Studies spezialisiert hat.

Viele US-Kommunen hätten schon vor Jahrzehnten versuchen können, die Probleme von Armut, Kriminalität, Korruption und Benachteiligung schwarzer Bürger in den Griff zu bekommen. Statt dessen hätten sie sich in den späten 60er-Jahren, als es zu Protesten, den sogenannten "Urban Riots",  gekommen sei, auf ein neues schönes "Branding" für ihre Städte beschränkt. "Man hat versucht, dadurch die Innenstädte zu revitalisieren. Das Problem dabei war, dass man natürlich die ganzen grundlegenden Problem der Ungleichheit damit unbeachtet gelassen hat. Und das Image nach außen aufpoliert hat."

 

Mehr zum Thema

Ausschreitungen - Zusammenstöße trotz Ausgangssperre
(Deutschlandfunk, Aktuell, 29.04.2015)

Baltimore - "Leider kein Sonderfall"
(Deutschlandfunk, Interview, 29.04.2015)

Ausschreitungen - Ausnahmezustand in Baltimore
(Deutschlandfunk, Aktuell, 28.04.2015)

Tod eines Afroamerikaners - Proteste gegen die Polizei in Baltimore
(Deutschlandfunk, Informationen am Abend, 21.04.2015)

USA - "The Wire" und die Realität von Baltimore
(Deutschlandfunk, Corso, 29.07.2014)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

Maler Werner BüttnerEin "junger Wilder" geht in Rente
Für das Gemälde "Rosenscharmützel" wählte Werner Büttner die Umsetzung mit Öl auf Leinwand (2007). (Werner Büttner / VG Bild-Kunst, Bonn 2021 / Foto: Egbert Haneke)

Seit den 1980er-Jahren mischte Werner Büttner mit provozierenden Bildern das Kunst-Establishment auf. 32 Jahre lang lehrte er zudem als Kunstprofessor in Hamburg. Zum Abschied widmet ihm die Kunsthalle Hamburg eine Retrospektive: "Last Lecture Show".Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur