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Studio 9 | Beitrag vom 28.10.2014

UNICEF-StudieKinderarmut in Industrieländern nimmt zu

Am stärksten ist sie in Island gewachsen

Von Philipp Eckstein

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Ein junges Mädchen in Athen (LOUISA GOULIAMAKI / AFP)
Mädchen in Athen: Die meisten armen Kinder in der EU leben in Griechenland. (LOUISA GOULIAMAKI / AFP)

Gerade Kinder und Jugendliche leiden unter den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise. Das ist das Ergebnis einer Studie des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen. In Deutschland geht die Kinderarmut leicht zurück.

UNICEF spricht im Zusammenhang mit der Wirtschafts- und Finanzkrise nur von der "Großen Rezession". Und diese habe gerade bei den Kleinsten tiefe Spuren hinterlassen: Kinder und Jugendliche leiden am stärksten und am längsten, so das Ergebnis der Studie mit dem Titel: "Kinder der Rezession".

UNICEF hat dafür die zusammen 41 Mitgliedsstaaten der EU und der OECD untersucht. Reiche Länder, allesamt, und doch leben auch hier 76,5 Millionen Kinder in Armut. 2,6 Millionen mehr als noch 2008. Dabei gilt ein Kind als arm, wenn seine Familie weniger als drei Fünftel des mittleren Einkommens im jeweiligen Staat zu Verfügung hat.

In 23 Ländern ist die Kinderarmut während der Krise gewachsen. Am stärksten in Island. Vor der Krise waren dort 11 Prozent der Kinder arm. Heute sind es über 31 Prozent. Die meisten armen Kinder in der EU leben in Griechenland. Gefolgt von Lettland und Spanien. Dort ist mehr als jedes dritte Kind arm.

Kinder werden ängstlicher und gestresster

Viele Kinder seien von den Sparmaßnahmen der Staaten besonders hart getroffen worden. UNICEF warnt zudem: Die Kinder bekommen die Sorgen und Nöte ihrer Eltern mit und werden dadurch ängstlicher und gestresster.

Doch die Studie zeigt auch: Es gibt große Unterschiede. Während in vielen Staaten die Situation dramatisch ist, konnten 18 der untersuchten Länder die Kinderarmut im Vergleich zu 2008 reduzieren. Entscheidend dafür seien soziale Sicherungssysteme und wie die Politik auf die Krise reagiert habe. Denn politische Entscheidungen hätten konkrete Auswirkungen auf die Kinderarmut.

Deshalb fordert UNICEF die Staaten zum Handeln auf: Die Bekämpfung von Kinderarmut und Jugendarbeitslosigkeit müsse höchste Priorität haben. Das sei nicht nur moralisch geboten - denn das langfristige Wohlergehen unserer Gesellschaft hänge von den Kindern und Jugendlichen ab.

Deutschland schneidet in der Studie vergleichsweise gut ab. Die Kinderarmut ist laut den Berechnungen von UNICEF seit Beginn der Krise leicht zurückgegangen auf nunmehr 15 Prozent. Deutschland liegt damit auf dem 14. Platz.

Mehr zum Thema:

Bildung - Nicht mehr die gleichen Chancen für alle
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 28.10.2014)

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