Neu im Kino: "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush"

Ungleiches Paar im Kampf gegen Unrecht

05:29 Minuten
Rabiye Kurnaz (Meltem Kaptan) und Bernhard Docke (Alexander Scheer) im Film "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush"
Rabiye Kurnaz (Meltem Kaptan) und Bernhard Docke (Alexander Scheer) auf dem Weg zum Supreme Court im Film "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush". © Pandora Film / Luna Zscharnt
Von Jörg Taszman · 28.04.2022
Audio herunterladen
Fünf Jahre lang saß der Bremer Murat Kurnaz unschuldig im US-Gefangenenlager Guantanamo ein. Seine Mutter Rabiye kämpfte mit dem Anwalt Bernhard Docke um seine Freilassung. Andreas Dresens Film ist politisches Lehrstück und Buddy-Movie in einem.

Um was geht es?

Der Bremer Murat Kurnaz saß in Folge der Anschläge vom 11. September 2001 unschuldig und unter skandalösen Begleitumständen fünf Jahre in Guantanamo in Haft. Seine Mutter Rabiye Kurnaz kämpfte zusammen mit dem engagierten Anwalt Bernhard Docke für seine Freilassung.
Andreas Dresen erzählt dabei konsequent aus der Perspektive der Mutter, die ihren Sohn wie eine Löwin verteidigt. Zunächst erscheint sie nur rührend naiv, langsam jedoch vertieft sie sich zusammen mit ihrem engagierten Bremer Anwalt in die Materie.
Hauptdarstellerin Meltem Kaplan schöpft in ihrem Spiel dabei aus allen Emotionen, kann als Rabiye charmant, dominant, nachdenklich, witzig, anstrengend und vor allem immer überzeugend sein.

Was ist das Besondere?

Obwohl die Geschichte von Murat Kurnaz bereits stark medialisiert worden ist, schafft es Regisseur Andreas Dresen, diese Geschichte noch einmal ganz neu und vor allem originell aufzurollen. Er macht aus dem Stoff eine Tragikomödie. Es darf gelacht und geweint werden, und sein Film ist wirklich im besten Sinne populäres Kino mit viel Empathie für die Figuren.

Redaktionell empfohlener externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Deutschlandradio hat darauf keinen Einfluss. Näheres dazu lesen Sie in unserer Datenschutzerklärung. Sie können die Anzeige jederzeit wieder deaktivieren.

Ganz besonders kritisch wird dabei die Rolle der rot-grünen Regierung unter Schröder, Fischer und Steinmeier beleuchtet, die sich nicht für Murat Kurnaz einsetzten. Im Jahre 2002 hätte Steinmeier als Kanzleramtschef und Geheimdienstkoordinator der rot-grünen Bundesregierung Murat Kurnaz freibekommen können. Er lehnte ab.

 Fazit

Neben vorzüglichen Dialogen ist "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" auch ein politisches Lehrstück und ein Buddy-Movie. Nur hier sind das ungleiche Paar eine Mutter (herausragend gespielt von Meltem Kaplan) und Bernhard Docke, ihr etwas steifer, hanseatischer Anwalt, ebenso fantastisch verkörpert von Alexander Scheer, der nach „Gundermann“ wieder einmal bei Dresen zu darstellerischer Bestform aufläuft.
Der Film ist aber auch ernst, voller trauriger und nachdenklicher Momente. So konnten Eltern, Geschwister und seine türkische Verlobte Murat Kurnaz fünf lange Jahre nicht sehen. Das ist Folter, zutiefst unmenschlich und Demokratien unwürdig.
Und so schafft es Andreas Dresen erneut, sich als brillanter Geschichtenerzähler zu beweisen. Dabei kann er sich auf wunderbare Schauspieler*nnen verlassen. Der mit Abstand bisher beste deutsche Film des Jahres.

„Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“
Deutschland/Frankreich 2022
Regie: Andreas Dresen. Buch: Laila Stieler
Mit: Meltem Kaptan, Alexander Scheer, Charly Hübner, Nazmî Kirik, Sevda Polat u.a.
Länge: 119 Min. FSK: 6

Mehr zum Thema