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Studio 9 | Beitrag vom 24.02.2018

Ungereimtheiten im Anti-Doping-KampfDer Wettkampf der Asthmatiker

Thomas Wheeler im Gespräch mit Ute Welty

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24.02.2018, Südkorea, Pyeongchang: Olympia, Langlauf, 50 km, Massenstart klassisch, Herren, Alpensia-Skilanglauf-Zentrum: Algo Kapp (l-r) aus Estland, Scott Patterson, Andreas Katz aus Deutschland und Emil Iversen aus Norwegen im Ziel. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa | Verwendung weltweit (dpa-Zentralbild)
Hat jeder sein Asthma-Mittel eingenommen? - Vor dem Start der Langläufer bei Olympia in Südkorea. (dpa-Zentralbild)

Die Verbindungen von Welt-Anti-Doping-Agentur und Sportverbänden sind eng. Eine unabhängige Dopingkontrolle lässt sich so nicht gewährleisten. Auch was letztendlich Doping ist, bleibt unklar: Die norwegische Olympia-Mannschaft reiste beispielsweise mit 6000 Dosen Asthma-Mittel an – ganz legal.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und die International Testing Authority (ITA) sollen rund um den Globus gegen medizinische Manipulationen der Leistungsfähigkeit von Sportlern vorgehen. Vor allem die ITA soll unabhängig sein. Soweit die Theorie. Tatsächlich fallen bei näherer Betrachtung enge Verbindungen zwischen ranghohen Anti-Doping-Akteuren und Sportverbänden ins Auge.

Der türkische Sportfunktionär Uğur Erdener sitzt im Exekutiv-Komitee der ITA und ist zugleich Vorsitzender der Medizinischen Kommission des Internationalen Olympischen Komitees.

Ein weiteres Beispiel: Der Schweizer Anwalt Patrick Baumann, ebenfalls ein Intimus von IOC-Chef Thomas Bach, ist Chef von SportAccord, dem internationalen Dachverband aller Sportverbände der Welt. Zu denen gehört der Weltverband der Sportmediziner. Wenn die WADA heikle Fälle hat, warnt er seine Vertrauten im Internationalen Sportgerichtshof CAS schon mal unter der Hand vor. Eine unabhängige Dopingkontrolle sieht anders aus.

Die Anti-Doping-Agentur und das russische Staatsdoping

Tief gespalten ist die Welt-Anti-Doping-Agentur allerdings, was ihren Umgang mit dem russischen Staatsdoping angeht. Auch dies lässt sich am besten nachvollziehen, wenn man sich Ämter und freundschaftliche Beziehungen hinter den Kulissen ansieht: So ist der irische WADA-Chef und IOC-Vize Craig Reedie gut mit Witali Mutko befreundet. Dieser war als russischer Sportminister mitverantwortlich für die Bewerbung und die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi sowie der Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Sommer in Russland.

Zwar wurde Witali Mutko als zentraler Kopf der systematischen Doping-Manipulation ausgemacht und lebenslang von allen Olympischen Spielen gesperrt. Doch das stört ihn vermutlich wenig. Denn der Freundschaft mit Craig Reedie tut dies keinen Abbruch. Ganz zu schweigen von einem hohen politischen Amt, das er in seinem Heimatland bekleidet: Mutko ist stellvertretender russischer Ministerpräsident und gilt als möglicher Kandidat für die Nachfolge von Ministerpräsident Medwedew.

So wundert es nicht, das Craig Reedie im September 2017 die Forderung von 28 Nationalen Antidoping-Agenturen zurückwies, Russland von den Winterspielen in Pyongchang auszuschließen.

Andererseits gibt es Strömungen in der WADA rund um Chefermittler Richard Mc Laren, die die Russen lieber heute als morgen nicht mehr im internationalen Sport sehen möchten.

Der "Wettbewerb der Asthmatiker"

Der Welt-Anti-Doping-Agentur fehlt eine klare Linie. Das zeigen auch die aktuellen Winterspiele, beispielsweise der 50-Kilometer-Ski-Langlauf. Den man eigentlich auch den "Wettbewerb der Asthmatiker" nennen könnte, so viele der Sportler haben eine offizielle Erlaubnis, Asthma-Medikamente einzunehmen. Nicht nur dort, überall im internationalen Sportwettbewerben sind diese Medikamente zu finden, breiten sich fast wie eine Seuche aus. So hatte die norwegische Olympia-Mannschaft auf dem Weg zu den Wettkämpfen in Südkorea 6000 Dosen Asthma-Mittel mit im Gepäck. Und niemand sagt etwas dagegen. Haben deren Sportler alle Asthma?

Studien an norwegischen und schwedischen Universitäten in den Sport-Fachbereichen haben immer wieder ergeben, dass junge Sportler dieser Länder zugegeben haben, dass sie bereits als Leistungssport treibende Kinder und Jugendliche in Kontakt mit diesen Mitteln gekommen sind. In normalen Dosierungen sind diese nicht leistungssteigernd. Aber wenn sie in größeren Mengen genommen werden, können sie anabole Wirkungen haben.

Der slowenische Eishockey-Spieler Ziga Jeglic ist in Pyeongchang des Dopings mit Fenoterol überführt worden und wurde von den Spielen ausgeschlossen. Pech gehabt, denn hätte er stattdessen drei von der WADA offiziell genehmigte Mittel in einer bestimmten Dosierung genommen, hätte er das gleiche Ergebnis erzielt, ganz ohne Doping-Sperre.  

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