Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Freitag, 23.08.2019
 
Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Wortwechsel / Archiv | Beitrag vom 14.07.2017

Ungebremst in die Diktatur? Die Türkei ein Jahr nach dem Putschversuch

Moderation: Oliver Thoma

Podcast abonnieren
Die Angeklagten werden zum Gericht geführt. (AFP)
Nach dem Putschversuch hat es mahr als 50.000 Festnahmen gegeben. (AFP)

Vor einem Jahr, am 15. Juli 2016, wurde in der Türkei ein Putschversuch abgewehrt. Ist das Land auf dem Weg in eine Diktatur? Welchen Einfluss hat die politische Opposition noch oder wieder? Welche Rolle können und sollen die europäischen Nachbarn angesichts der Entwicklungen am Bosporus spielen?

Vor einem Jahr, am 15.Juli 2016, wurde in der Türkei ein Putschversuch abgewehrt – nicht zuletzt von den Bürgerinnen und Bürgern. Im Nachgang zu den noch immer nicht völlig geklärten Abläufen begann der türkische Präsident Erdogan, gegen mutmaßliche Putschisten und deren mutmaßliche Sympathisanten vorzugehen, aber auch gegen all jene, die ihn und seine Politik zu kritisieren wagen. Mittlerweile hat es über 160 000 Entlassungen und mehr als 50 000 Festnahmen gegeben.

Ist die Demokratie in der Türkei noch zu retten? Oder ist das Land unter dem sich zunehmend autokratisch gebärdenden, übermächtigen Präsidenten auf dem Weg in eine Diktatur? Welchen Einfluss hat die politische Opposition noch oder wieder? Welche Rolle können und sollen die europäischen Nachbarn angesichts der Entwicklungen am Bosporus spielen? Als wie gefährlich ist die Bewegung des im US-Exil lebenden Geistlichen Gülen wirklich einzuschätzen, die der türkische Präsident für die Anstifter des Putschversuchs hält? Und: Welchen Einfluss haben die Ereignisse in der Türkei auf die Lebenswirklichkeit türkischer oder türkisch-stämmiger Bürgerinnen und Bürger in Deutschland?

Darüber diskutieren in unserer Sendung Wortwechsel:

Lale Akgün, SPD, Publizistin und ehemalige Bundestagsabgeordnete:

"Es war ein kontrollierter Putsch, der sicher vorher schon bekannt war. (…) Die wichtigste Veränderung in der Türkei ist: Die Menschen haben Angst. (…) Es gibt genau die Ingredienzien, die man für eine Diktatur braucht. "

Baha Güngör, freier Journalist und Autor:

"Die Unschuldsvermutung gilt in der Türkei nicht mehr. Von oben wird entschieden, wer schuldig ist und das ist leider teilweise vergleichbar mit den Chef-Juristen von Hitler damals."    

Ercan Karakoyun, Vorsitzender der "Stiftung Dialog und Bildung", die die Gülen-Bewegung in Deutschland vertritt:

Über die Verfolgung der Gülen-Bewegung: "Es ist, als ob man Bayern München verbieten würde, weil Uli Höness Steuern hinterzogen hat. (…) Es muss ganz klar rechtsstaatliche Prozesse geben – alles andere ist Anarchie; alles andere ist Diktatur."

Remzi Aru, Unternehmer aus Berlin, Gründer und Vorsitzender der Partei "Allianz Deutscher Demokraten":

"Die Gülen-Bewegung ist eine Art Scientology Sekte des Islams und so wie auch die Mun-Sekte will sie hauptsächlich das Beste der Menschen – ihr Geld nämlich."

Mehr zum Thema

Die Türkei ein Jahr nach der Putsch-Nacht - Ein blutiges Geschenk für Erdoğan
(Deutschlandfunk Kultur, Weltzeit, 11.07.2017)

Türkei nach dem "Gerechtigkeitsmarsch" - Beeindruckender Anfang einer demokratischen Bewegung
(Deutschlandfunk, Kommentare und Themen der Woche, 10.07.2017)

Türkei - Darwin muss draußen bleiben
(Deutschlandfunk, Tag für Tag, 06.07.2017)

Wortwechsel

20 Jahre System Putin Gegenwind für den Kreml-Chef
Seitenprofilbild von Vladimir Putin vor dunklem Hintergrund.  (Getty Images / Sean Gallup)

Seit 20 Jahren regiert Wladimir Putin im Kreml. Für viele Russen ist er der unumstrittene Herrscher, der das Riesenreich zusammenhält. Doch die Proteste werden lauter, die westlichen Sanktionen schwächen die Wirtschaft. Bröckelt das System Putin?Mehr

Waldsterben 2.0Wie retten wir den Klimaretter Wald?
Abgestorbene Nadelbäume sind im  Wald bei Kirchen zwischen Brachbach und Katzenbach in Rheinland-Pfalz zu sehen. (imago images / Rene Traut)

Das Waldsterben ist zurück. Dürren, Stürme, Feuer und Schädlinge setzen dem Wald massiv zu. Dabei sind Bäume mit ihrer Fähigkeit, CO2 zu speichern, sehr wichtig im Kampf gegen den Klimawandel. Aufforsten kostet Geld und viel Zeit. Haben wir die noch?Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur