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Im Gespräch | Beitrag vom 20.02.2021

Unendlicher LockdownWas tun gegen den Corona-Frust?

Moderation: Vladimir Balzer

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Eine Frau hält einen kleinen Jungen von hinten an den Schultern – beiden schauen zum Fenster hinaus, an das mit dünnen Strichen ein bunter regenbogen gemalt ist. (imago images / Westend 61)
Unsere Geduld ist am Ende – doch was tun? (imago images / Westend 61)

Seit einem Jahr leben wir mit dem Corona-Virus, seit November im Lockdown. Kontaktbeschränkungen, Homeoffice und Homeschooling, Lagerkoller und Vereinsamung. Der Ausgang ungewiss. Das zermürbt. Das zieht runter. Was gibt uns Kraft, durchzuhalten?

So langsam werden auch die Geduldigsten mürbe: Wie lange soll dieser durch Corona bedingte Ausnahmezustand noch dauern? Meldungen über Virusmutationen lassen die Hoffnung auf baldige Lockerungen schwinden. Dazu die Diskussion über neue Grenzwerte, die Pannen rund um die Impfung und die schlecht anlaufenden finanziellen Hilfen.

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Viele verlieren die Kraft, durchzuhalten. Aber irgendwie müssen wir auch die nächsten Monate überstehen. Nur wie?

Kontakte aufrechterhalten: "Bildet Banden!"

"Angst funktioniert langfristig nicht. Die Leute werden dünnhäutig, aggressiv oder stumpfen ab", sagt Jan Kalbitzer. Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie leitet die Stressmedizin der Oberberg Kliniken. Sein Appell: "Wir müssen raus aus dem Durchhaltemodus. Das Allerwichtigste ist zu sehen, nicht, wovor wir Angst haben, sondern was wir eigentlich bewahren wollen."

Wichtig dabei: Menschliche Kontakte aufrechterhalten, ob als Familie oder Single. "Bildet Banden! Das können ein oder zwei gute Freunde sein, mit denen man sich regelmäßig trifft, oder auch eine andere Familie. Wichtig ist, dass man gut zueinander passt und alle ähnliche Vorstellungen zum Schutz vor Corona haben."

Rituale pflegen

Wichtig auch: Rituale. "Telefonieren ist ein schönes Ritual." Aber auch gemeinsam kochen, essen – und regelmäßige Bewegung. Schon ein täglicher Spaziergang wirke Wunder: "Dann können sich Gedanken und Gefühle synchronisieren, man kann nachspüren, was so ungeordnet im Kopf war und ist."

Bei allen Widrigkeiten stecke in einer solchen Krise auch eine Chance, so der Stressmediziner. Man könne alte Gewohnheiten infrage stellen, Platz für neue schaffen. Dafür müsse man sich aber seiner Ängste und Wünsche bewusst sein. Wie das funktionieren kann, beschreibt Kalbitzer in seinem neuen Buch "Krise als Neustart".

Corona: Stresstest für Beziehungen

"Corona ist der beste Test für Paarbeziehungen", sagt die Psychologin Andrea Ebbecke-Nohlen. Sie ist seit mehr als vier Jahrzehnten in der Einzelpaar- und Familientherapie aktiv und gilt als eine der Wegbereiterinnen der systemischen Therapie.

"Schaffen wir es, darüber hinwegzukommen?", fragt Ebbecke-Nohlen. "Schaffen wir es, auch zuzuhören, die Ängste, die Wut des anderen entgegenzunehmen? Zu schauen: Wie können wir zusammenkommen, wie gestalten wir das zusammen?"

Ärger und Frust in Corona-Zeiten seien legitime Gefühle; wichtig sei, was man daraus mache, so die Therapeutin: "Was heißt Ärger? Ärger heißt oft überschüssige Energie, mit der ich nicht weiß wohin. Auch Kinder, die nicht rauskommen."

Ihr Tipp ist es, zu schauen: "Gibt es Wege, wie wir diese Energie kanalisieren können? Zum Beispiel durch Sport und Bewegung. Wichtig ist, ins Handeln zu kommen. Was kann ich tun, um das Gewünschte zu erreichen? Wie kann ich aktiv werden? Und sich dafür auch zu vernetzen."

Unendlicher Lockdown – Was tun gegen den Corona-Frust?
Darüber diskutiert Vladimir Balzer heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit dem Psychotherapeuten Jan Kalbitzer und der Psychologin Andrea Ebbecke-Nohlen. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de.
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(sus)

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