Dienstag, 20.11.2018
 

Studio 9 | Beitrag vom 06.11.2017

Umweltzerstörung durch KriegeKriegsopfer Umwelt

Manfred Mohr im Gespräch mit Nicole Dittmer und Julius Stucke

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US-Flugzeuge versprühen während des Vietnamkriegs das "Entlaubungsmittel" Agent Orange. Es enthält Dioxin und ist verseucht bis heute die Böden in Vietnam. (imago/United Archives International)
US-Flugzeuge versprühen während des Vietnamkriegs das "Entlaubungsmittel" Agent Orange. (imago/United Archives International)

Verbrannte Wälder, kontaminierte Böden und vergiftetes Grundwasser. Kriege fordern nicht nur Menschenleben, sondern haben auch fatale Folgen für die Natur. Gegen diese Umweltzerstörung im Krieg kämpft Manfred Mohr mit juristischen Mitteln.

Wenn ein Krieg vorbei ist, hat er nicht nur das Leben vieler Menschen, sondern auch deren Lebensraum oft dauerhaft zerstört. Durch den Einsatz von Uranmunition gelangen Schadstoffe in Gewässer und Böden. Auch Fassbomben sind – etwa in Syrien  – ein großes Problem.

Im Gegensatz zu Häusern und Straßen, die innerhalb weniger Monate wieder aufgebaut werden können, ist die Umwelt oft viele Jahre zerstört. In manchen Ländern ist die Rückkehr in die einstigen Konfliktgebiet aber auch noch Jahrzehnte später gesundheitsgefährdend.

Umweltschäden durch den Syrienkrieg

Auch in Syrien sei die Umwelt vielerorts stark zerstört, erklärt der Jurist Manfred Mohr.

"Ganz schwere Schäden sind während des syrischen Krieges entstanden durch die Beschießung von Erdölraffinerien. Es gibt also eine totale Verseuchung der betreffenden Region, die noch lange anhalten wird."

Umweltzerstörung infolge von Krieg bedeutet oft, dass die Überlebenden auch Jahrzehnte nach Kriegsende nicht in ihre Heimat zurückkehren können. Wieviele Jahre oder Jahrzehnte die Natur brauchen wird, um sich von den Spätfolgen des Krieges zu regenerieren, ist nicht nur in Syrien unklar.

"Das kann man jetzt noch nicht abschätzen, weil es so vielfältige Ursachen und so vielfältige Erscheinungen von der Umweltzerstörung durch Konflikte, durch Kriege gibt", so Mohr. "Wir haben Konsequenzen des Krieges im Raum Serbien immer noch gegenwärtig."

Gebilligte und beabsichtigte Umweltschäden

Mit juristischen Mitteln kämpft Manfred Mohr gegen die Zerstörung der Umwelt im Krieg. Denn Umweltschäden werden von Kriegsparteien mitunter nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern in einigen Fällen auch als Waffe eingesetzt.

"Es gibt die unbeabsichtigten Schäden einer Kriegsführung – Sie sagen Kollateralschäden – wo es eine gewisse Toleranzschwelle gibt, die man aber auch so nicht akzeptieren muss. Es gibt aber auch Kriegsführung, die auf Umweltzerstörung ausgelegt ist. Die ist in der Tat völkerrechtlich geächtet. Es gibt eine Konvention mit Namen ENMOD (…), wonach (…) absichtliche Umweltzerstörungen verboten sind und in der Tat auch kaum vorkommen."

Gefahr auch durch konventionelle Waffen

Problematisch ist, dass es viele Fälle gibt, die sich nicht eindeutig zuordnen lassen. Im Vietnamkrieg setzen die Amerikaner beispielsweise die Chemikalie "Agent Orange" ein, die nicht nur die Wälder entlaubte, in denen sich die Gegner versteckten, sondern zugleich auch die Landwirtschaft der Zivilbevölkerung zerstörte.

Doch nicht nur chemische, auch konventionelle Waffen können schwere Umweltschäden anrichten. Zum Beispiel Uranmunition, erklärt Manfred Mohr.

"Das ist eine konventionelle Waffe (…), die wird eingesetzt, um Panzer zu bekämpfen. Und da entstehen schwere Umweltschäden nach dem Einsatz. Aber es ist eine Waffe, die wenn man so will, keine chemische Waffe, keine Nuklearwaffe ist, aber verheerende Konsequenzen für Mensch und Umwelt generiert."

Mit juristischen Mitteln Umweltzerstörungen bekämpfen

Als Jurist engagiert sich Manfred Mohr in der deutschen Koalition zur Ächtung von Uranwaffen und ist Mitglied im Verbund Juristen gegen den Atomkrieg.

"Wir versuchen mit juristischen Mitteln konkret etwas zu tun gegen diese Umweltzerstörung, mit rechtlichen Argumenten. Die reichen vom humanitären Völkerrecht, dem Genfer Abkommen über Menschenrechte bis hin zum Umweltrecht."

Doch das ist äußerst komplex:

"Es gibt eine Baseler Konvention, es gibt eine Stockholmer Konvention, da sind die Giftstoffe aufgelistet, die in Friedenszeiten verboten sind", sagt Mohr. "Warum muss man dann den Einsatz solcher Stoffe eigentlich im Krieg hinnehmen, im Konfliktfall, wo alles noch viel schlimmer ist? Deshalb unsere Idee, diese Rechtsgebiete zusammenzunehmen, um argumentieren zu können und für die politische Arbeit eine Basis zu haben."

(mw)

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