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Fazit / Archiv | Beitrag vom 12.09.2019

Umstrittene PreisvergabeKamila Shamsie verdient den Nelly-Sachs-Preis nicht

Ein Kommentar von Carsten Hueck

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Die pakistanisch-britische Autorin Kamila Shamsie diskutiert über das Thema "Female Writing in Asia Pacific" im Pavilion der Buchmesse Frankfurt 2018 (picture alliance/Susannah V. Vergau/dpa)
Weil sie den Boykott Israels propagiert, hat Kamila Shamsie den Nelly-Sachs-Preis nicht verdient, findet Carsten Hueck. (picture alliance/Susannah V. Vergau/dpa)

Kamila Shamsie sollte der Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund verliehen werden. Dann zeigte sich, dass Shamsie die umstrittene Anti-Israel-Kampagne BDS unterstützt. Jetzt will die Jury die Entscheidung überdenken. Zu Recht, findet unser Kommentator.

Tja, das war’s dann wohl! Da hat sich die Jury des Nelly-Sachs-Preises entschieden, in diesem Jahr die pakistanisch-britische Autorin Kamila Shamsie auszuzeichnen. Und jetzt muss sie zurückrudern. Unbedingt.

Denn was keiner wusste: Kamila Shamsie, deren literarisches Werk als durchaus preiswürdig angesehen werden kann, teilt Positionen des BDS: jener Bewegung, die Zusammenarbeit von Israelis und Palästinensern verurteilt, zum wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Boykott Israels aufruft und vom deutschen Bundestag als antisemitisch eingestuft wurde.

Übersetzen iranische Verlage ins Hebräische?

Kamila Shamsie nun hat ihre Unterstützung für den BDS noch einmal bekräftigt und ihrem Verleger geschrieben, dass sie natürlich gerne auch ins Hebräische übersetzt würde, doch dafür keinesfalls mit Organisationen, sprich Verlagen, zusammenarbeiten möchte, die in irgendeiner Weise mit dem israelischen Staat verbunden sind. Zweifelsfrei kämen dafür pakistanische oder iranische Verlage infrage, aber ob die Übersetzungen ins Hebräische finanzieren wollen, ist fraglich.

Der Nelly-Sachs-Preis wird Persönlichkeiten verliehen, die auf dem Gebiet des literarischen und geistigen Lebens überragende Leistungen hervorgebracht UND geistige Toleranz und Versöhnung unter den Völkern verkündet und vorgelebt haben.

Nelly Sachs selbst war die erste Preisträgerin, Elias Canetti hat ihn bekommen, Milan Kundera, Margaret Atwood, David Grossman, Nadine Gordimer und viele andere, denen das geschriebene und gelebte Wort wichtig ist. Denen ein Gespräch die Möglichkeit bedeutet, Verantwortung zu übernehmen für eigene Positionen, auch wenn sie dem Gegenüber nicht behagen.

Zukunft liegt im Miteinander

"Lassen Sie uns gemeinsam der Opfer im Schmerz gedenken und hinausgehen aufs Neue, um wieder und wieder zu suchen, von Ängsten und Zweifeln geplagt, zu suchen, wo vielleicht weit entfernt eine neue Aussicht schimmert", sagte Nelly Sachs als sie, die Überlebende des Holocaust, 1965 im immer noch von Nazis durchsetzen Deutschland den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt.

Das war groß und der Überzeugung geschuldet, dass Zukunft, auch angesichts erfahrenen Leids, im Miteinander liegt, im Wort, im Gespräch. Diese Größe hat Kamila Shamsie nicht. Sie propagiert den Boykott. Den Nelly-Sachs-Preis verdient sie nicht.

Mehr zum Thema

Kamila Shamsie - Geschichtsstunde über koloniale Unterdrückung
(Deutschlandfunk Kultur, Buchkritik, 16.06.2015)

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