Umsatzeinbruch am Büchermarkt

"Buchhandlungen strampeln sich die Seele aus dem Leib"

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Arbeitet zur Zeit bis zum Umfallen und darüber hinaus: Karin Schmidt-Friderichs, Verlagsleiterin und Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels - hier in entspannteren Zeiten zu sehen. © picture alliance/Andreas Arnold/dpa
Karin Schmidt-Friderichs im Gespräch mit Marietta Schwarz · 09.04.2020
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Im Vergleich zum Vorjahr ist der Umsatz des Buchhandels im März um 30 Prozent zurückgegangen. Die Lage sei dramatisch, sagt Karin Schmidt-Friderichs vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, aber sie glaube an die Kreativität der Branche.
Am 17. März, als der Shutdown verkündet wurde, wurden nicht nur Lebensmittel und Toilettenpapier gehamstert, sondern auch Bücher. Das zeigt eine Auswertung im "Börsenblatt", dem Fachmagazin des Deutschen Buchhandels.

Schneller als Amazon

Dann allerdings ging der Umsatz stark zurück, so dass der März schließlich ein Minus von 30 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres aufwies. "Das ist dramatisch", sagt die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs.

Die Buchhandlungen hätten sehr früh angefangen, Onlineshops zu betreiben und seien inzwischen mit den Bestellungen schneller als Amazon, betont Schmidt-Friderichs. "Die Independent-Buchhandlungen strampeln sich die Seele aus dem Leib." Aber das ersetze nicht das Kundengeschäft des Alltags. Jedoch: "Wer Kreativität, Engagement, Optimismus und Kraft hat, der hat in dieser Phase eine gewisse Chance, nicht unterzugehen." Das seien die guten Nachrichten innerhalb der schlechten Nachrichten, so die 59-Jährige.

Neuerscheinungen erst nach der Krise

Eher schlecht ist hingegen, dass viele Neuerscheinungen, auch publikumsträchtige, verschoben werden auf die Zeit nach der Krise, wann auch immer das seien mag. "Das liegt auch daran, dass die Autorinnen und Autoren Angst haben, dass ihr Buch quasi ins Nichts rutscht", erläutert die Chefin des Börsenvereins. Denn viele würden von Lesungen leben, und die gibt es zur Zeit nicht.
Karin Schmidt-Friderichs ist selbst Verlegerin beim Hermann Schmidt-Verlag. Da sei die Lage ähnlich dramatisch wie im Buchhandel: "Man arbeitet bis zum Umfallen und darüber hinaus." Und doch reiche der Umsatz gerade so: "Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel."
(beb)
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