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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 14.11.2019

Umgang mit IS-RückkehrernHoffen auf die "biografische Entradikalisierung"

Wolfgang Kaschuba im Gespräch mit Anke Schaefer

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Das Foto zeigt eine mutmaßliche IS-Rückkehrerin, die sich in Stuttgart vor Gericht verantworten muss. (dpa / picture alliance / Marijan Murat)
Prozess gegen mutmaßliche IS-Rückkehrerin Juli 2019 in Stuttgart. (dpa / picture alliance / Marijan Murat)

Die Türkei will IS-Anhänger nach Deutschland abschieben. Wie gefährlich diese sind, ist momentan schwer zu sagen. Was tun? Integration sei der einzige Weg, sagt der Kulturwissenschaftler Wolfgang Kaschuba.

IS-Rückkehrer stellen den deutschen Sicherheitsapparat vor ein großes Problem. Denn die Behörden müssen einschätzen, wie gefährlich die Männer und Frauen noch sind, die einst von hier aus in den heiligen Krieg zogen, und nun nach Deutschland zurückkehren. Für den Umgang mit ihnen gebe es keine Patentlösung, sagt der Kulturwissenschaftler Wolfgang Kaschuba. Nur eines ist sicher: "Es muss ein Integrationskonzept her, ob wir das wollen oder nicht", meint Kaschuba.

"Der zentrale Punkt wird sein, ob es gelingt, die Personen davon abzuhalten, in dasselbe Radikalisierungsmilieu zurückzugehen, aus dem sie gekommen waren", führt der Kulturwissenschaftler aus: "Da geht es um bestimmte Moscheen, bestimmte Gemeinden, und da wäre ein Ratschlag an die Sicherheitsbehören, mit der Zivilgesellschaft zusammenzuarbeiten. Denn man muss natürlich Ersatz-Bezüge, Ersatz-Beziehungen herstellen, neue Situationen herstellen."

30 Polizisten überwachen einen einzigen Gefährder

Diese könnten dann zu einer "biografischen Entradikalisierung" führen, sagt Kaschuba. Wenn die betreffenden Personen älter würden, Kinder bekämen und diese dann zur Schule gingen, gebe es plötzlich andere Prioritäten: "So einen Weg muss man gehen, denn wir können ja kein Szenario aufbauen, in dem wir die Gefährder zehn Jahre lang mit riesigem Personalaufwand wie Zeitbomben behandeln." Pro Gefährder brauche die Polizei rund 30 Mitarbeiter, um eine Überwachung sicherzustellen, so der Integrationsforscher.

Der Prozess brauche Zeit, betont Kaschuba: "Deswegen müssen diese Integrationskonzepte beides haben: Elemente der Sicherung und der Sicherheit und Überwachung und Elemente eines Angebots."

Die Türkei will zeitnah beginnen, Personen aus dem IS-Umfeld nach Deutschland abzuschieben. Zunächst sollen es elf Menschen sein. Wenn ehemalige IS-Kämpfer oder Sympathisanten den deutschen Pass haben, kann Deutschland die Aufnahme nicht verweigern.

(ahe)

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