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Kompressor | Beitrag vom 02.12.2016

Umgang mit Hass-Kommentaren"Meet your Hater"

Martin Hoffmann im Gespräch mit Gesa Ufer

Facebook-Symbole wie die Abkürzung 'f' und der gesenkte Daumen für "dislike" auf blauem Grund und darüber steht Hass gesprüht, wobei der Buchstabe 'a' in Hass aus dem At-Zeichen besteht. (Imago / Ralph Peters)
Auf Facebook werden besonders viele Hass-Kommentare abgegeben. (Imago / Ralph Peters)

Der Online-Journalist Martin Hoffmann hat zum Telefonhörer gegriffen und diejenigen angerufen, die ihn zuvor im Netz beschimpft hatten. Er hat überraschende Erfahrungen gemacht - und plädiert für einen neuen Umgang mit Internet-Hetzern.

Der Online-Journalist Martin Hoffmann ist bekannt geworden für seine schlagfertige Foren-Moderationen bei der Zeitung "Die Welt". Doch genauso oft wird er von Nutzern in den Kommentarspalten verbal angegriffen. Nun hat er diejenigen angerufen, die ihn zuvor im Netz beschimpft hatten.

Hater, die ganz klein werden

Viele seien am Telefon ganz klein geworden, so Hoffmann am Freitag im Deutschlandradio Kultur. Teilweise hätten sie sich sogar entschuldigt und gesagt, es sei ihnen gar nicht bewusst gewesen, "dass da am anderen Ende der Leitung Menschen sitzen mit Gefühlen, die sich vielleicht auch verletzt fühlen, wenn sie Morddrohungen erhalten."

Aber er habe auch andere Reaktionen erlebt. "Dass Leute komplett dicht gemacht haben, angefangen haben zu pöbeln und dann direkt auch wieder aufgelegt haben."

In die Diskussion einmischen

Grundsätzlich plädiert Hoffman dafür, dass sich Medienunternehmen in die Kommentarspalten auf ihren Internetseiten und bei den Sozialen Medien stärker einmischen. "Das heißt, man versteht sich nicht nur als Moderator, sondern beteiligt sich am Gespräch. Man hört zu, was die Leute sagen, man reagiert direkt darauf in den Kommentaren, man versucht, den Dialogfaden aufzunehmen, weiterzuspinnen."

So habe man eine Chance, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. "Man wird da sicherlich nicht die ganzen Hardcore-Rassisten, die da draußen vielleicht rumspringen überzeugen können", räumt der Journalist ein. "Aber es geht auch darum, für die anderen ein Zeichen zu setzen."

Kommentare zu lange ignoriert

Die Medien hätten ihr Publikum lange Zeit vernachlässigt "Leute konnten kommentieren, ohne dass das Journalisten so wirklich zur Kenntnis genommen haben." Das Phänomen, dass viele Nutzer die Kommentarspalten dann aber nutzten, um ihre angestaute Wut abzulassen, habe viele Journalisten überrollt. "Erst in den letzten Monaten sieht man so eine Art Gegenbewegung, dass deutsche Medien auch wieder aktiver moderieren, aktiver mit den Leuten sprechen."  

Künast zu Besuch bei den "Hatern"

Irgendwann war auch die Grünen-Politikerin Renate Künast die Hass-Mails so leid, dass sie die Adressen Absender recherchierte und diese zu Hause besuchte. In den meisten Fällen traf sie auf handzahme, beschämte Normalos, die sich bei ihr entschuldigten.

Der Satiriker Jan Böhmermann hat als Reaktion auf Hassmails fiktive Abmahnungen des "Bundesministeriums für Internetsicherheit und Zensur" verschickt. Auch darauf reagierten seine Hater ganz klein mit Hut.

Mehr zum Thema

Ingrid Brodnig: "Hass im Netz" - Gegen Hass im Netz ist niemand machtlos
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