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Interview | Beitrag vom 10.10.2018

Umfragetief der CSU Die Preußen sind schuld!

Reiner Klingholz im Gespräch mit Dieter Kassel

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Bayerns ehemaliger Ministerpräsident Edmund Stoiber.  (dpa / picture alliance / Andreas Gebert)
Edmund Stoiber hat den Schuldigen für die schlechten Umfragewerte der CSU ausgemacht. (dpa / picture alliance / Andreas Gebert)

Die Umfragewerte der CSU sind miserabel und für Edmund Stoiber gibt es dafür einen einfachen Grund: der Zuzug aus anderen Bundesländern. Die Wahrheit sei zwar komplexer - doch an der These sei trotzdem etwas dran, meint Demograf Reiner Klingholz.

Bayerns ehemaliger Ministerpräsident hat eine eigene Hypothese vorgelegt, warum die CSU in der Gunst der bayerischen Wählerinnen und Wählern so schlecht dasteht - es liegt an der Zuwanderung! Nicht etwa an der aus dem Ausland, sondern an der aus anderen deutschen Bundesländern. Die Preußen sind's also, die der CSU am Sonntag voraussichtlich die Wahl verhageln.

Viele Qualifzierte ziehen nach Bayern

Der Hauptgrund für den Niedergang sei sicher in dem politischen Theater der CSU in den letzten Wochen und Monaten zu suchen, sagt dazu Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. "Die CSU verliert in Umfragen ja in einem Tempo, in dem man gar nicht nach Bayern zuziehen kann." Trotzdem stimme es, dass die Bevölkerung im Freistaat zunehmend heterogener werde: "Die Wirtschaft in Bayern läuft gut und das bedeutet, dass da viele Qualifzierte aus anderen Bundesländern zugezogen sind." In den letzten Jahren seien das etwa 100.000 Menschen jährlich gewesen.

Zugezogene sind jung, urban und modern

"Das sind Menschen, die die CSU nicht mit der Muttermilch aufgesogen haben", so Klingholz. Sie seien oft urban geprägt und "nicht verankert in diesen traditionellen Netzwerken in Bayern, wo die CSU natürlich immer im Mittelpunkt stand." Vielen erscheine auch die bayerische Familienpolitik wenig modern. Gleichzeitig seien die Leute, die nach Bayern ziehen und dort Geld verdienen, relativ jung. "Die machen sich natürlich auch Gedanken, wie das mit der ganzen Sozialpolitik weitergehen soll und da stellen sich große Fragen."

CSU muss sich entsprechend modernisieren

Auf die Veränderungen müsse die Partei neue Antworten finden, sagt der Demograf. "Die Falle der CSU ist ja, dass sie seit 60 Jahren gesagt hat 'Alles in Bayern ist gut, alles ist wunderbar und schön - das liegt an der CSU'. Und jetzt gibt es Probleme und dann kann sich die CSU nicht aus der Verantwortung stehlen." Eine Offenheit im Umgang mit den neuen Fragen habe die Partei bislang gescheut. "Da müsste sich die CSU modernisieren, um eben auch die neuen, zugezogenen, modern denkenden Wähler an sich zu binden."

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