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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 29.09.2017

Umfrageergebnis der Körber-Stiftung"Der Antisemitismus wurde nie richtig aufgearbeitet"

Alan Posener im Gespräch mit Korbinian Frenzel

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 Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener zu Gast bei Deutschlandfunk Kultur (Deutschlandradio – Laura Lucas)
Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener zu Gast bei Deutschlandfunk Kultur (Deutschlandradio – Laura Lucas)

Nur 59 Prozent der Schüler zwischen 14 und 16 wissen, dass Auschwitz-Birkenau ein Konzentrationslager war, hat eine repräsentative Umfrage der Körber-Stiftung ergeben. Für den Journalisten Alan Posener der Beweis, dass der Antisemitismus nicht verstanden worden sei.

"Der Antisemitismus ist nicht richtig begriffen worden", kommentiert der britisch-deutsche Journalist Alan Posener den Befund der Körber-Stiftung. So werde immer wieder behauptet, die Juden seien im Dritten Reich wegen ihres Glaubens verfolgt worden. Dies sei so aber nicht richtig: "Mein Vater wurde aus Deutschland wegen seiner Rasse geschmissen - er war nie in einer Synagoge."

Die Leute wüssten die Begriffe nicht richtig zu verwenden: "Eigentlich wäre jetzt die Zeit, wo man wirklich mit geschichtlichem Abstand, mit gesichertem Faktenwissen darüber erzählen könnte und ich hab das Gefühl, viele Lehrer drücken sich davor, weil sie selber nicht wirklich wissen, worum es geht", so Posener, der früher selbst Lehrer war.

Die Lehren aus dem Dritten Reich nicht begriffen

Solches Unverständnis spiegelt sich dem Journalisten zufolge auch im Wahlerfolg der AfD wieder. Wenn Herr Gauland sage, dass die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Özoguz nach Anatolien entsorgt werden könne, dann hätten er und seine Wähler die Lehren aus dem Dritten Reich nicht begriffen oder nicht wichtig gefunden.

Der Rassismus der Rechtspopulisten und der Antisemitismus sind laut Posener aber nicht gleichzusetzen: "Es ist eine Sache zu sagen, wie Gauland auch sagt, ich mag Herrn Boateng oder Leute, die aussehen wie Herr Boateng nicht als Nachbarn haben." Eine andere sei "der Antisemtismus, der davon ausgeht, dass die Juden eine überlegene Rasse sind, die im Kopf haben, den Rest der Welt zu unterwerfen." Mit dieser Vorstellung einer jüdischen Weltverschwörung gegen die Deutschland sich wehren müsse sei "nie abgerechnet" worden, so Posener. In weiten Teilen der Bevölkerung gebe es so kein richtiges Bewusstsein dafür, "weil es nie richtig aufgearbeitet wurde".

Hören Sie hier die ganze Sendung mit Alan Posener:

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