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Konzert / Archiv | Beitrag vom 24.01.2018

Ultraschall Berlin – Festival für neue MusikHeinz Holliger beim DSO Berlin

Aufzeichnung aus dem Großen Sendesaal

Der Komponist, Dirigent und Oboist Heinz Holliger beim Eröffnungskonzert von Ultraschall Berlin 2018 (Karo Krämer/Ultraschall)
Der Komponist, Dirigent und Oboist Heinz Holliger beim Eröffnungskonzert von Ultraschall Berlin 2018 (Karo Krämer/Ultraschall)

Am Eröffnungsabend von Ultraschall Berlin, dem Festival für Neue Musik, spielte das DSO Berlin unter Leitung von Heinz Holliger seine Musik und Werke von Bernd Alois Zimmermann und Jacques Wildberger.

Bernd Alois Zimmermann, an dessen 100. Geburtstag in diesem Jahr erinnert wird, zählt mit der rückhaltlosen, schrundig-zerrissenen Expressivität seiner Werke zu den prägenden deutschen Komponisten der Nachkriegsjahrzehnte. "Photoptosis" – die deutsche Übersetzung lautet "Lichteinfall" – wurde durch die Farbflächen-Gestaltungen Yves Kleins im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier angeregt. Die Komposition von 1968 zählt zum Spätschaffen Zimmermanns, der zwei Jahre später seinem Leben ein Ende setzte.

Heinz Holliger, der Dirigent des Abends, war zu dieser Zeit Anfang Dreißig und noch vorwiegend in seinem Beruf als international gefrageter Oboist tätig. Freilich gingen seine Ambitionen auch damals schon vom Solo-Blasinstrument in größere Zusammenhänge, die er sich dann Schritt für Schritt als Dirigent und Komponist erschloss. Jedenfalls ist der Schweizer dank seiner multiplen Begabung ein exemplarischer Zeitzeuge, und so reflektieren die drei Kompositionen seines Programms mit dem DSO nicht nur fast ein halbes Jahrhundert jüngerer Musikgeschichte, sondern auch deren ständige aktive Aneignung und Mitgestaltung. Wichtig ist Holliger, Werke des unangepassten Avantgardisten Jacques Wildberger aufzuführen, der ein Landsmann von ihm war. "Canto", Wildberges Versuch über die (Un-)möglichkeit des Singens, ist ein filigranes und lyrisches Stück. 

Holligers eigenes Violinkonzert ist zeitlich ausgedehnt und bietet technische Schwierigkeiten nicht nur dem Violinsolisten, sondern auch einem kleinen Concertino aus Harfe, Cymbalon und Marimbaphon. Thomas Zehetmair ist Widmungsträger und hat das Werk erst in einer drei-, dann 2002 in der endgültigen viersätzigen Fassung uraufgeführt – das Zusammenfinden zweier Expressivmusiker, von dem sich dann der Bogen auch wieder rückwärts zu Zimmermann schlagen lässt; denn wie dessen Komposition wurde auch die Holligers bildkünstlerisch angeregt, in diesem Falle durch das Schaffen des Art-brut-Malers Louis Soutter.

Ultraschall Berlin - Festival für neue Musik
Großer Sendesaal des rbb
Aufzeichnung vom 17. Januar 2018

Bernd Alois Zimmermann
"Photoptosis", Prélude für großes Orchester

Jacques Wildberger
"Canto" für Orchester

Heinz Holliger
Konzert für Violine und Orchester "Hommage à Louis Soutter"

Thomas Zehetmair, Violine
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: Heinz Holliger

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