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Konzert / Archiv | Beitrag vom 22.01.2017

Ultraschall Berlin 2017Schnelles lichtes Mittelstück

Live aus dem Haus des Rundfunks Berlin

Die Sopranistin Marisol Montalvo (Festival Ultraschall)
Die Sopranistin Marisol Montalvo (Festival Ultraschall)

Das Abschlusskonzert des diesjährigen Festivals Ultraschall senden wir live aus dem Haus des Rundfunks an der Berliner Masurenallee. Das DSO Berlin spielt unter Leitung von Dennis Russell Davies Musik von Philipp Maintz und Heinz Winbeck. Als Solistin ist die Sopranistin Marisol Montalvo zu erleben.

Mehr als jedes Instrument ist die Stimme Träger individuellen, unverwechselbaren Ausdrucks, und das nicht nur im rein musikalischen Kontext. Seine Stimme zu erheben oder auch jemandem eine Stimme zu geben, bedeutet, sich als autonomes Subjekt zu äußern. Das Festival Ultraschall Berlin, veranstaltet von Deutschlandradio Kultur und kulturradio vom rbb, stellt in diesem Jahr die Stimme in den Mittelpunkt. Durch das Programm zieht sich - in denkbar unterschiedlicher Weise - die Stimme als roter Faden. Sie knüpft als "schön" geführte Stimme an die große Tradition des Liedgesangs an, sie wagt sich weit vor in die experimentelle Stimmbehandlung, die die Übereinkunft des Belcanto zur Disposition stellt.

"Die Nähe zu den Werken der Vergangenheit passiert mir nicht, ich stelle sie bewusst her." So hat sich der Komponist Heinz Winbeck bereits mehrmals mit bedeutenden Werken der Musikgeschichte klingend auseinandergesetzt, darunter mit Franz Schuberts "Lebensstürmen" oder dessen Liederzyklus Winterreise. Seine fünfte Sinfonie mit dem Untertitel "Jetzt und in der Stunde des Todes" sollte ursprünglich den Titel "In Bruckners Kopf" tragen. Sie nimmt Bezug auf Anton Bruckners neunte Sinfonie, die der Komponist nicht mehr vollenden konnte. Aus Material des Fragment gebliebenen Finales hat Winbeck eine Paraphrase geschaffen, die kein Versuch ist, den Torso zu vervollständigen, sondern eine Art musikalischer Nahtod-Erfahrung. "Meine Musik ist einer Traumnovelle ähnlich. Es ist, als ob Partikel der Musik ungeordnet durch den Raum fliegen und wieder zusammenfinden, aber in einer Ordnung, die für mich schon etwas Jenseitiges hat."

In seinem "Tríptico Vertical" hat Philipp Maintz drei Orchesterlieder nach Gedichten des argentinischen Schriftstellers Roberto Juarroz geschrieben. "Ich lese in den ersten beiden Gedichten so etwas wie Antithesen, das dritte bündelt sie, zieht Konsequenzen und weist über die ersten beiden hinaus", so der Komponist. Die Form des Triptychons hat er analog zur Vorlage angelegt: "...hier zwei große 'Flügel' außen und in der Mitte ein schnelles, lichtes, helles Mittelstück."

Ultraschall Berlin - Festival für neue Musik
Live aus dem Großen Sendesaal an der Masurenallee

Heinz Winbeck
Fünfte Sinfonie "Jetzt und in der Stunde des Todes" (2009)

ca. 21.00 Uhr Konzertpause, darin: Ein Porträt der Sängerin Marisol Montalvo von Ulrike Klobes; die Ultraschall-Reporter und ihre Mentorin Julia Kaiser im Gespräch mit Volker Michael

Philipp Maintz
"Triptico verticale" für Stimme und Orchester (2014)

Marisol Montalvo, Gesang
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: Dennis Russel Davies

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