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Fazit / Archiv | Beitrag vom 15.11.2015

Ulrich Wickert über #ParisAttacks"Das normale Leben wird wiederkehren"

Ulrich Wickert im Gespräch mit Andrea Gerk

Eine Frau trauert in Paris um die Opfer der Attentatsserie. (dpa / picture alliance / Etienne Laurent)
Eine Frau trauert in Paris um die Opfer der Attentatsserie. (dpa / picture alliance / Etienne Laurent)

Ulrich Wickert ist tief getroffen von dem, was in Paris geschehen ist. Jahrelang hatte er in Paris gelebt und gearbeitet, er fühlt sich dem Land in besonderer Weise verbunden. Er blickt voller Trauer nach Paris - doch auch mit Optimismus.

Als seine "eigentliche Heimat" hat der Schriftsteller und Journalist Ulrich Wickert einmal Paris bezeichnet. Jahrelang arbeitete er dort als Korrespondent. Nach den Anschlägen fühlt sehr intensiv mit den Franzosen.

Zunächst erscheine es ungewöhnlich, dass die Attentäter in populäre Viertel  gegangen seien und Cafés, Clubs, ein Konzert angegriffen hätten, sagte Wickert im Deutschlandradio Kultur. Doch das sei nur auf den ersten Blick erstaunlich:

"Für die Franzosen ist die Trennung von Staat und Kirche ein ganz wesentlicher Punkt ihrer Identität. Und dazu gehört auch das gesetzliche Verbot, den Tschador zu tragen. Und das empfinden gerade diese fundamentalistischen Islamisten als etwas ganz Furchtbares - und dagegen kämpfen sie." Deshalb hätten sie auch ein Rockkonzert aufgesucht - das sei für sie ein "viel größeres Verkommen der Seele des Menschen" als ein Symphoniekonzert.

"Man darf die Anschläge nicht mit 9/11 vergleichen"

Auch als er in den 80er-Jahren in Paris arbeitete, habe es immer wieder terroristische Anschläge gegeben, bei denen Menschen getötet wurden. "Wochenlang hat es damals Attentate gegeben", sagte Wickert. "Doch nach einer Weile ist das vorbei und dann kehrt das normale Leben wieder."

Fernsehjournalist Ulrich Wickert (dpa / picture-alliance / Hannibal Hanschke)Ulrich Wickert (dpa / picture-alliance / Hannibal Hanschke)

Auch dass der französische Präsident Hollande von Krieg spricht, beunruhigt ihn nicht. Der amerikanische Krieg gegen den Terror, den George W. Bush nach 9/11 führte, habe zu der Unordnung geführt, die wir jetzt haben, meint Wickert. Hollande wisse, dass die Anschläge eine Replik auf das französische Engagement in Syrien seien, wo sein Land die Islamisten bombardiert. Man dürfe die Anschläge jetzt nicht mit 9/11 vergleichen und mit dem amerikanischen Krieg im Irak, meinte Wickert.

Mehr zum Thema:

Nach der Anschlagsserie von Paris - Sind wir machtlos gegen den Terror?
(Deutschlandfunk, Kontrovers, 16.11.2015)

Nach den Attentaten vom 13. November - Der NATO-Bündnisfall geistert durch Berlin
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(Deutschlandfunk, Informationen am Abend, 15.11.2015)

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