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Fazit / Archiv | Beitrag vom 19.04.2020

Ulrich Khuon zur Lage der TheaterBühnenverein kritisiert Schweigen der Politik

Moderation: Vladimir Balzer

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Ulrich Khuon, Intendant Deutsches Theater. (imago images / Sabine Gudath)
Dem Präsidenten des Deutschen Bühnenvereins geht es nicht darum, jetzt einen Aufstand anzuzetteln. Er will eher das Bewusstsein dafür schärfen, dass die künstlerischen Werte mehr seien als Ästhetik. (imago images / Sabine Gudath)

Dass die Künste "im Denken und im Sprechen der Großpolitik" nicht vorkommen, sei eine große Enttäuschung, sagt der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Ulrich Khuon. Die Theater bräuchten klarere Ansagen, wann welche Häuser wieder öffnen dürfen.

Am Montag kehrt ein Hauch von Normalität in den Alltag ein: Bestimmte Läden dürfen wir wieder öffnen, die Schulen in ein paar Tagen auch – zumindest für einige Schüler, und ab Anfang Mai dann die Museen.

Doch was ist mit den Theatern? Bisher gibt es dazu noch keine eindeutigen Aussagen der Politik. Bisher sieht alles danach aus, dass sie noch lange geschlossen bleiben. Wenn es schlecht läuft, bis zum Ende der Saison.

Dass Künstlerinnen und Künstler "im Denken und im Sprechen der Großpolitik" nicht vorkommen, sei eine große Enttäuschung, sagt Ulrich Khuon. Er ist Intendant des Deutschen Theaters in Berlin und Präsident des Deutschen Bühnenvereins.

"Künste sind Lebensmittel"

Während Märkte für Gartenbau, Tierbedarf und Friseure von den Lockerungen profitierten, werde die Schließung der Theater "mit einem lapidaren Satz einfach verhängt, ohne dass man auf der anderen Seite nochmal darauf hinweist, dass die Künste Lebensmittel sind", sagt Khuon. Die Theater reflektierten unsere Wirklichkeit und hätten damit auch eine politische Dimension.

Diese Nichtbeachtung sei besonders schade, weil man in Deutschland aktuell hochkompetente und formulierungskräftige Kulturpolitiker habe. Diese könnten sich aber aus zwei Gründen nicht durchsetzen, vermutet Khuon:

Zum einen gebe es ein Wettrennen darum, wer zuerst wieder aufmachen dürfe. Und hier spielten vor allem wirtschaftliche Gründe eine Rolle, meint Khuon. Ein weiterer Grund für dieses Nichtgehörtwerden sei die Wichtigkeit der Finanzpolitiker, die sich natürlich eher mit wirtschaftsrelevanten Fragen beschäftigten, sagt Khuon.

"Wer nicht schreit, kommt nicht vor"

Theater und Kultur müssten in diesem Denken hörbarer zur Kenntnis gebracht werden, findet der Präsident des Deutschen Bühnenvereins. "Aber wenn man jetzt so nach Wochen der Disziplin und des Gehorsams, wenn man so will, spürt, dass, wer nicht schreit, nicht vorkommt, dann denkt man: Schade, dass das Vertrauen, das man im Grunde in die Partner hatte, nicht so beantwortet wird. Also im Grunde muss man dann doch schreien."

Ihm gehe mehr um den Bewusstseinsraum, sagt der Intendant. Wenn Bürgerinnen und Bürger gefragt würden, worauf sie sich besonders freuten, dann antworteten sie: Konzerte, Opernabende, Kino und Museen. "Und die Politik schweigt darüber."

Es gehe ihm nicht darum, jetzt einen Aufstand anzuzetteln, sagt Khuon. Er will eher das Bewusstsein dafür schärfen, dass künstlerische Werte mehr seien als Ästhetik. "Sie sind im Grunde lebenserhaltende Reflexions- und Spielräume der Gesellschaft als Ganzes."

(ckr)

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