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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 06.05.2020

Ulrich Khuon über Kultur in der CoronakriseAlles hilft, was in die Basis investiert

Moderation: Anke Schaefer

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Ein Mann passiert ein Plakat mit der Aufschrift "Jetzt oder nie mehr! #Clubkultur retten!" (Picture Alliance / dpa / Britta Pedersen)
Ulrich Khuon hofft, "dass die Künste in der nächsten Exitwelle dabei sind, die jetzt kommt". (Picture Alliance / dpa / Britta Pedersen)

Das deutsche System mit seinen vielen Staatstheatern bewahrt die Kulturszene zwar gerade vor dem kompletten Kollaps. Doch Theaterintendant Ulrich Khuon kritisiert, dass Kunst und Kultur erst viel zu spät für Hilfen in den Blick genommen wurden.

Die Bundesregierung will Kultureinrichtungen mit Milliardenbeträgen durch die Coronakrise helfen. Im Prinzip eine gute Sache, findet unser Studiogast Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters in Berlin. Doch er betrachtet die Situation mit gemischten Gefühlen und kritisiert, insgesamt sei die Unterstützungssituation von Bundesland zu Bundesland "sehr zerklüftet".

Es gebe nach wie vor "gewaltige Probleme", etwa wie die Politik in den Ländern auf die Landestheater oder -museen einwirke und in welchem Umfang sie hinter ihnen stehe, sagt Khuon. Das sei beispielsweise wichtig, wenn es darum gehe, Kosten für die zahlreichen Gastkünstler an Theatern und Opernhäusern zu bezahlen.

Lange gedauert, bis die Kulturszene gehört wurde

Die Berliner Landesregierung etwa will für kleine und mittlere private Kultureinrichtungen wie Theater, Clubs oder Kinos eine 30-Millionen-Euro- Finanzhilfe auflegen. 

"Ich finde aber, dass es insgesamt sehr lange gedauert hat, bis die Stimme der Kultur und der Künste, als Stimme für ein Gemeinwesen, in der Öffentlichkeit durchgedrungen ist." Man müsse sich fragen: "Warum hat die Wirtschaft solch eine Stimme?" Das habe ihn sehr "verschreckt und verstört".

Millionen, die in die richtige Richtung gehen

Eine leichte Besserung sei in Sicht, sagt Khuon. "Ich hoffe auch, dass die Künste in der nächsten Exitwelle dabei sind, die jetzt kommt." Und zum Berliner Vorstoß: "Berlin versteht sich selber als Kulturstadt und hat wahnsinnig viele Künstlerinnen und Künstler. Insofern ist es natürlich auch hilfreich, so etwas aufzulegen. Die 30 Millionen gehen in die richtige Richtung."

Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters Berlin.  (Klaus Dyba)Ulrich Khuon hofft auf Bestandshilfe in der Kulturszene. (Klaus Dyba)Finanzielle Unterstützung helfe jedoch nur dann, wenn nachhaltig in den Bestand, in die Basis, investiert werde und nicht nur in Einzelprojekte. "Man muss mehr in die Garantie der Strukturen gehen."

(mkn)

Ulrich Khuon ist Intendant des Deutschen Theaters in Berlin. Er begann in den 1970er Jahren als Theater- und Literaturkritiker bei der "Badischen Zeitung" und wechselte Anfang der 1980er Jahre an das Stadttheater Konstanz. Dort arbeitete er zunächst mehrere Jahre als Chefdramaturg, bevor er Intendant wurde. Im Anschluss ging er ans Schauspielhaus Hannover und übernahm 2000/2001 die Nachfolge von Intendant Jürgen Flimm am Hamburger Thalia Theater. Seit 2009 ist er in Berlin und seit 2017 auch Präsident des Deutschen Bühnenvereins.

Die ganze Sendung hören Sie hier: 
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