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Kompressor | Beitrag vom 28.05.2020

Uli Oesterle: "Vatermilch"Verschwunden, versoffen, verstorben

Uli Oesterle im Gespräch mit Massimo Maio

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Ein Mann betrinkt sich vor einem Auto (Carlsen Verlag/Uli Oesterle)
Ein Vater als Alkoholiker: Davon erzählt Uli Oesterle in seinem Comic "Vatermilch". (Carlsen Verlag/Uli Oesterle)

München in den 70ern: Erst Frauenheld in der Partyszene, dann der Alkohol und der Absturz in die Obdachlosigkeit. Uli Oesterle erzählt im Comic "Vatermilch" die Geschichte seines eigenen Vaters. Tragisch, aber nicht ohne Humor.

Er verlässt seinen siebenjährigen Sohn, ein Alkoholiker, der zuerst ein Frauenheld in der Münchner Schickeria ist und später als Obdachloser stirbt. Der Künstler und Illustrator Uli Oesterle erzählt in seinem Comic "Vatermilch" diese Geschichte - es ist die Geschichte seines Vaters. Soeben ist der erste von vier geplanten Bänden erschienen.

Seite aus dem Comic "Vatermilch" von Uli Oesterle (Carlsen Verlag/Uli Oesterle)Eine Geschichte aus der Münchner Partyszene der 70er Jahre: "Vatermilch" von Uli Oesterle. (Carlsen Verlag/Uli Oesterle)

Oesterle erhebt allerdings keinen Anspruch auf historische Genauigkeit: "Alles, was ich wusste, stützte sich auf Gerüchte", sagt er. Die Lücken habe er mit Erfundenem gefüllt. Er sei von Herzen Schreiber und Geschichtenerfinder, daher habe er ohnehin nicht so nah an der Wahrheit bleiben wollen. So ist etwa ein tragischer Unfall in dem Comic reine Fiktion.

Nicht zu trist und zu trübe

Nur die Eckdaten der Geschichte stimmen: das Verlassensein, der Alkohol, die Obdachlosigkeit und der Tod. Trotzdem hat der Comic eine gewisse Leichtigkeit, wenn er die Discokultur und Partyszene der 70er Jahre beschreibt als Ort der Feierexzesse mit Kokain und Champagner. 

"Das ist mein eigener Anspruch an mich selbst: auch immer an den Leser denken", sagt Oesterle. "Wenn ich eine Comicgeschichte selbst lese, dann möchte ich auch unterhalten werden." Daher solle es "nicht zu trist und zu trübe" werden.

Oesterle ist bislang vor allem für seine Erzählung "Hector Umbra" bekannt, die in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Darin kämpft sich der gleichnamige Protagonist durch ein surreal düsteres München auf der Suche nach seinem verschwundenen DJ-Freund.

Uli Oesterle: "Vatermilch 1: Die Irrfahrten des Rufus Himmelstoss"
Carlsen Verlag 2020
128 Seiten, 20 Euro

(leg)

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