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Zeitfragen | Beitrag vom 06.03.2020

Übersetzungsnetzwerk TradukiLiteratur als Brücke im Balkan

Von Anat Kalman

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Illustration:  (Traduki / Common Ground)
Das Übersetzungsnetzwerk "Traduki" will Gräben auf dem Balkan überwinden. (Traduki / Common Ground)

Die jugoslawischen Kriege sind vorbei, doch die Konflikte schwelen weiter. Mit der Arbeit an Büchern bringt das europäische Übersetzungsnetzwerk Traduki die oft wenig freundlich gesonnenen Nachfolgestaaten Jugoslawiens zusammen.

Die Leipziger Buchmesse 2020 ist abgesagt, doch der nun ausgefallene Schwerpunkt "Common Ground" mit Literatur aus Südosteuropa wird noch die nächsten zwei Jahre fortgeführt. Der englische Titel benennt den kleinsten gemeinsamen Nenner aller Teilnehmer: die Zugehörigkeit zu Südosteuropa, zum Balkan. Organisiert werden die Veranstaltungen von einem europäischen Übersetzungsnetzwerk namens Traduki, das seit mehr als zehn Jahren die einander oft wenig freundlich gesonnenen Nachfolgestaaten Jugoslawiens und seine Nachbarn zusammenbringt – mit der Arbeit an Büchern. Mit Literatur - ob Roman, Gedicht, Sachbuch, Kinder- oder Jugendliteratur - baut Traduki Brücken über Gräben und Gräber.

Übersetzer: Unentbehrlich und doch schlecht beleumundet

Im Zentrum der Arbeit von Traduki steht eine Tätigkeit, die Fremdes nahebringt und verständlich macht: das Übersetzen. Es ist so unentbehrlich wie schlecht beleumundet. Ein italienisches Sprichwort nennt den Übersetzer gar einen Verräter: "traduttore, traditore". Traduki setzt dennoch alle Hoffnungen auf diesen Berufsstand. Auf Initiative der S. Fischer Stiftung wurde das Netzwerk vor zwölf Jahren auf der Leipziger Buchmesse gegründet, um Bücher aus den Balkanstaaten ins Deutsche und in die Sprache der Nachbarn übersetzen zu lassen.

Bald schlossen sich südosteuropäische Staaten und Institutionen an. Heute zählt Traduki, in dessen Berliner Zentrale vier Mitarbeiter beschäftigt sind, 10 Mitgliedsstaaten mit 18 Stiftungen und Finanziers: die S. Fischer Stiftung, das Deutsche Auswärtige Amt, die Leipziger Buchmesse, das Goethe Institut, die Kulturministerien Österreichs, Liechtensteins, Serbiens, Kroatiens, Albaniens, Nordmazedoniens, Rumäniens, Montenegros und Bulgariens sowie die Kulturstiftung Liechtensteins, die Schweizer Stiftung Pro Helvetia, die slowenische Buchagentur und die österreichische Interessengemeinschaft Übersetzerinnen Übersetzer.

Selten Bulgarisch, noch seltener Albanisch

"Übersetzungen aus, nach und in Südosteuropa" fördert Traduki, regt sie an und sichert sie vertraglich ab. Die Arbeit an den Büchern stärkt Bande in und nach Südosteuropa. Sie hilft den meist schlecht bezahlten Übersetzern dort ebenso wie den Verlagen, und sie verschafft den vielen kleinen Sprachen eine Präsenz auf dem deutschsprachigen Buchmarkt. Auf ihm sehen sich auch französische, englische, ungarische und tschechische Verlage um, die selten Albanisch oder Bulgarisch sprechende Lektoren haben. Anat Kalman stellt den kleinen, aber effektiven Übersetzungsmulti Traduki vor.

(pla)

Das Manuskript zur Sendung finden Sie hier.

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