Über den Zusammenhang von Kunst und Geld

Akademie der Künste am Brandenburger Tor in Berlin © AP
Von Wolfgang Martin Hamdorf · 28.05.2010
"Kunst und Krise” - unter diesem Motto findet vom 27. bis 29. Mai in der Berliner Akademie der Künste und im Cervantes Institut eine Konferenz statt. Künstler, Galeristen, Medienvertreter, Museumsdirektoren und Philosophen sprechen über die Auswirkungen der gegenwärtigen Finanzsituation auf die Bildende Kunst und Lösungsansätze in Deutschland und Spanien.
"900 sind geboten, meine Damen und Herren, 900 sind geboten, 900 zum ersten, 900 zum zweiten und 900 zum dritten! Ich bedanke mich, wunderbar!"

Im obersten Stock der Akademie der Künste am Pariser Platz lässt der Berliner Künstler Christian Jankowski alte Gebrauchsgegenstände versteigern, vom Ruderboot, über das Vereinshemd bis zur Ehrenmedaille. Dann adelt der Künstler selber die nutzlosen Gegenstände durch seine Unterschrift auf dem Echtheitszertifikat zum Kunstwerk. Noch vor Christian Jankowskis Parodie auf den Kunstmarkt hat sein spanischer Kollege Santiago Sierra unter dem Motto "Kunst und Krise” die Veranstaltungsräume durch eine Plastikmauer geteilt: Auf der einen Seite müssen die eintreten, deren Einkommen unter 1800 brutto liegt, in den helleren und größeren Teil diejenigen die mehr verdienen. Es geht bei der Veranstaltung um den Zusammenhang von Kunst und Geld sagt Christina von Braun, die Vizepräsidentin des Goethe-Instituts, einem der Veranstalter der Konferenz:

"Also der zentrale Punkt, ist natürlich über die Krise nachzudenken und wie weit die Rückwirkungen hat auf den Kunstmarkt, aber auch inwieweit die Kunst dazu beitragen kann zu analysieren, was da eigentlich vor sich geht. Es ist nämlich frappierend, dass im Moment die Wirtschaftwissenschaften selber zugeben, dass sie versagt haben."

Bei der Konferenz "Kunst und Krise” geht es um kurz- und längerfristige Überlebensstrategien spanischer und deutscher Kultureinrichtungen sagt Carmen Perez-Fraguero, die Generalsekretärin des spanischen Instituto Cervantes:

"Wir bringen verschiedene Vertreter unterschiedlicher kultureller Interessen zusammen. Wir wollen eine Plattform sein, von der aus über so wichtige Fragen wie 'Kunst und Krise' diskutiert werden kann. Die Kultur wird nicht in der Krise verschwinden, und ganz ehrlich, wir als kulturelles Zentrum haben noch nie Finanzmittel im Überfluß gehabt und immer kreativ mit geringen Etats auskommen müssen. Diese Kreativität müssen wir jetzt verstärken."

Zur Konferenz kommen mehr als 30 Experten aus dem Kunstsektor zusammen: Künstler, Vertreter von Museen und Kunsteinrichtungen, von Stiftungen und Galerien. Es geht um Produktion, Rezeption und Vermittlung von Kunst und um die Finanzierung.

Während die große Krise auf dem Kunstmarkt schon wieder rückläufig ist, wird jetzt besonders die Kürzung der staatlichen kulturellen Förderung diskutiert.

Dabei unterscheidet sich die Situation in Spanien sehr von der in Deutschland. Während in Spanien ein zentrales Kulturministerium einen großen Teil der öffentlichen Förderung leistet, entscheiden darüber in Deutschland die Länder, beziehungsweise die Städte und Gemeinden. Klaus Staeck, der Präsident der Akademie der Künste, sieht jetzt besonders Kunst und Kultur im öffentlichen Raum gefährdet:

"Was viel bedrohlicher scheint, ist die Tatsache, dass die Kommunen, die ja im wesentlichen auch die Kultureinrichtung finanzieren, also die Vermittlung finanzieren, dass die in einer Weise der Pleite entgegengehen, dass man schon erschrecken kann. Da wird es neue Wege gehen müssen, wie wir das reiche Kulturangebot, was wir ja immer noch haben, wie wir das, ja auch im Sinne der Demokratie sichern, denn Kultur und Bildung gehören immer zusammen und da wird sehr viel Phantasie gefragt sein."

Dabei markieren die Begriffe Kunst und Krise ein allzu weites Feld für ganz unterschiedliche Erfahrungen und Erwartungen: Bedeutet die Krise dem einen ein fast reinigendes Fanal, sieht der andere schon das Ende der Finanzierbarkeit von Kunst und Kultur aufscheinen. So distanziert sich etwa der Künstler Josep María Martín aus Barcelona vom Kunstmarkt, die eigentliche Kunst findet für ihn nur noch in der Subkultur besetzter Häusern statt. Für seinen Berliner Kollegen Tino Sehgal ist das Sozialromantik:

"Ich persönlich komme extrem aus so einem Milieu hier in Berlin raus, wie im Grunde die meisten Leute, die hier seit 15 Jahren in Berlin sind, aber in so einer romantischen Form ist das gar nicht interessant."

Mit vorsichtiger Gelassenheit schauen alternative Kunst- und Kulturzentren auf die Krise der öffentlichen Hand. 20 neue und große Museen für zeitgenössische Kunst seinen in den letzten Jahren in Spanien eröffnet, die offizielle Kulturpolitik richte sich zu sehr auf äußerlichen Glanz, sagt Tere Badía, die Leiterin des Kulturzentrums Hangar in Barcelona:

"Da muss man weiter zurückgehen als in die letzten 20 Jahren, da kann man auch von den letzten 400 Jahren sprechen, in denen der Künstler ganz eng mit der Macht und die Macht ganz eng mit dem Künstler verbunden war. Auch wenn heute Museen für zeitgenössische Kunst eröffnet werden, zeigt das die Herrlichkeit des Staates. Nach der Rückkehr zur Demokratie haben wir aber noch mit einem anderen Phänomen zu tun: Der Staat drückt all die Künstler an seine Brust, die der Franco-Diktatur kritisch gegenüberstanden und das hat sich auf die kritische Haltung generell ausgewirkt. Die offizielle Kulturpolitik hat eine unglaubliche Fähigkeit, kritische und innovative Tendenzen in der Kunst für sich zu vereinnahmen."

Das große Klagelied ist auf der Konferenz bisher ausgeblieben. Viele der großen und kleinen Sammlungen und Kunstzentren zwischen Andalusien und Sachsen suchen nach neuen Wegen. Etwa die "Spinnerei” in Leipzig, eine ehemalige Fabrik, die jetzt an Künstler und Künstlergruppen vermietet wird. Für Geschäftsführer Bertram Schultze suchen gerade Immobilienbesitzer in der Krise nach Nutzern, die den Standort beleben:

"Und da ist der Künstler der richtige Ansprechpartner, der sucht selber große Flächen, möglichst für gar kein Geld, in denen er einfach kreativ tätig werden kann, und ich sehe das schon als Möglichkeit, in einer Krisenzeit für einen Künstler neue Schritte zu gehen, die ihm vielleicht in einer Boomzeit verwehrt sind, weil die Immobilienpreise dann so hoch sind, dass andere Nutzungen dann eben den Vorzug bekommen und aus so einer Krisenzeit kann sich dann eben auch in in einer Boomzeit dann so ein Thema mit der Kunst und der Immobilie etablieren, wie es zum Beispiel bei der Spinnerei der Fall war."